Nach massenhafter Kritik aus der Community rudert Instagram bei seinem neuen Feed-Design zurück – allerdings nicht komplett und nur vorerst. Letztendlich werden sich Instagram und Facebook immer mehr Tiktok annähern – des Geldes wegen, meint Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat.

Der Testballon scheint erst mal geplatzt. Instagram hatte bei einer Testgruppe von Nutzenden alle Videos von öffentlichen Accounts mit einer Länge von unter 15 Minuten zu Reels umgewandelt. Bei den Tester*innen hatte das unter anderem zur Folge, dass sie plötzlich sehr viele automatisch im Vollbildmodus startende Videos von Menschen in ihrem Feed hatten, denen sie gar nicht folgen.

In den vergangenen Tagen führte das zu großem Unmut in großen Teilen der Community. User*innen, aber auch Influencer*innen und Promis wie Kim Kardashian oder Kylie Jenner wetterten erbittert gegen die Änderungen. Schließlich ging sogar die Kampagne "Make Instagram Instagram again" viral.

Instagram rudert beim Redesign zurück – aber nur so halb

Nun lies Instagram-Chef Adam Mosseri verlauten, dass die Änderungen bei Instagram zurückgenommen würden. Ein Ende des Tiktok-ähnlichen Feeds bedeutet das aber nicht, sagt Deutschlandfunk-Reporter Michael Gessat. Im Gegenteil: Auch die zweite wichtige Meta-Plattform Facebook hat angekündigt, sich in Richtung Reels entwickeln zu wollen – mit einem gewissen Anteil von per KI ausgesuchten Empfehlungen im Feed.

"Es geht darum, dass mit Werbung in Reels höhere Einnahmen generiert werden können als in Stories."
Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat über den Trend hin zu Reels

Der Hintergrund der Video-Offensive ist für Michael Gessat offensichtlich. Es geht darum, dass mit Werbung in Reels höhere Einnahmen zu generieren sind als in Stories, sagt er. Allerdings: Wer einen Clip zwangsweise für eine Sekunde zu sehen bekommt und dann verärgert wegwischt, generiert zwar einen View, ein positiver Werbeeffekt wird so aber nicht erreicht.

Auch wenn Instagram nun erst einmal zurückgerudert ist und so scheinbar auf die Kritik von Unser*innen und Influencer*innen reagiert hat, werden Instagram und Facebook sich auf lange Sicht an Tiktok orientieren, ist sich Michael sicher.

"Sie werden sich rantasten, was bei den Leuten am besten ankommt und die meiste Werbekohle generiert", sagt er. "Dass Insta der Ort bleibt, wo man cute, aufgemotzte Fotos von seinen Freund*innen anschauen kann, steht nicht fest."

Shownotes
Tiktok-ähnlicher Feed
Instagram nimmt Änderungen im Feed zurück – vorerst
vom 29. Juli 2022
Moderatorin: 
Jenni Gärtner
Gespräüchspartner: 
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova