Mehr Artenvielfalt, eine bessere Luftqualität und damit einen Beitrag für den Klimaschutz leisten: Das soll ein Tiny Forest ermöglichen. Den ersten Miniwald Deutschlands gibt es in Brandenburg. Seit März 2020 sollen hier 33 heimische Baum- und Straucharten den Wald bereichern.

Auf kleiner Fläche möglichst viele diverse Baumarten pflanzen und dort wachsen lassen: Das ist das Konzept hinter dem Begriff Tiny Forest. Die Idee des Biologen Akira Miyawaki aus Japan kann schon auf der Fläche eines Tennisplatzes umgesetzt werden, was besonders in urbanen Räumen für mehr Grün sorgen könnte.

In Frankreich und in den Niederlanden gibt es schon die ersten solcher Miniwälder. Im Frühjahr 2020 wurde auch der erste Tiny Forest in Deutschland angelegt. Auf einer Fläche von 800 Quadratmetern sorgen 33 Baum- und Straucharten in der brandenburgischen Uckermark für mehr Biodiversität.

Miniaturwald auf 800 Quadratmetern

Die Köpfe hinter dem deutschen Tiny Forest sind die Studenten Stefan Scharfe und Lukas Steingässer von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Ihren Miniwald "Wald der Vielfalt" haben sie auf dem Privatgrundstück einer Bekannten gepflanzt. Damit wollten sie unter anderem sicherstellen, dass ihr Tiny Forest auch bleibt, statt später abgeholzt zu werden.

Tiny FOrest anch der Pflanzung
© Lukas Steingässer
Tiny Forest nach der Pflanzung.

Alle der 33 verpflanzten Baum- und Straucharten sind heimische Gehölze. "Ein Tiny Forest orientiert sich an der potenziellen natürlichen Vegetation von dem Standort", erklärt Stefan Scharfe. Mithilfe einer Bodenanalyse haben sie herausgefunden, welche Baumarten theoretisch dort wachsen könnten.

Als Hauptbaumarten verpflanzt haben sie zum Beispiel die Rotbuche, die Hainbuche, die Stileiche, die Traubeneiche, die Esche oder den Bergahorn. Unter den Nebenbaumarten finden sich unter anderem der Wildapfel, die Wildkirsche oder der Feldahorn. Hinzu kommen noch einige Sträucher.

Heimische Baumvielfalt in den Wald zurückbringen

Aus diesen rund 2.500 Pflanzen soll ein vielfältiger Mischwald entstehen. Die genaue Anordnung der Baum- und Straucharten auf der Fläche haben Stefan Scharfe und Lukas Steingässer dem Zufall überlassen beziehungsweise ihren Freiwilligen, die sie beim Verpflanzen unterstützt haben. Jede Gruppe durfte sich einen Abschnitt der 800 Quadratmeter aussuchen und frei wählen, welche der 33 Baum- und Straucharten sie nebeneinander pflanzen.

Damit scheint der Tiny Forest der beiden Studenten eine Ausnahme unter den deutschen Wäldern zu sein. Denn: Bei den meisten Wäldern handelt es sich um Nutzwälder, die der Forstwirtschaft dienen, sagt Stefan Scharfe. In Brandenburg seien die vor allem von Kiefern geprägt. Die Folge: Die Biodiversität fehlt.

"Diverse Mischwälder finden wir in Brandenburg eigentlich nicht. Selbst im ländlichen Raum – wo wir jetzt schon viele Wälder in Brandenburg haben – ist der Wald zu 99 Prozent ein Nutzwald, der hauptsächlich der Forstwirtschaft dient."
Stefan Scharfe, Student an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde

Der Wunsch nach mehr Vielfalt im Forst ist allerdings da: Weil Stefan Scharfe und Lukas Steingässer so viel positives Feedback zu ihrem ersten Miniwald erhalten haben, sitzen sie gerade an der Gründung eines Unternehmens, mit dem sie mehr und auch größere Pflanzprojekte umsetzen können. Ihr "Wald der Vielfalt" wächst nämlich prächtig, so Stefan Scharfe.

Wald nach drei Monaten
© Lukas Steingässer
Wald nach drei Monaten: Pflanzen haben grüne Triebe und Blätter ausgebildet.