Oury Jalloh verbrennt in Polizeigewahrsam in einer Zelle, gefesselt an eine Matratze. 17 Jahre ist das her. Der Fall bewegt bis heute die Gemüter - weil so vieles ungeklärt geblieben ist.

Verschiedene Gutachten besagen: Oury Jalloh, der an Händen und Füßen an eine Matratze gefesselt war, hätte sich nicht sich selbst anzünden können. Das ist aber genau die Version des Tathergangs vom 07. Januar 2005, an der Polizisten während mehrerer Gerichtsverfahren festgehalten haben. Und in denen bis heute nicht die genaue Todesursache geklärt werden konnte.

Ein Beispiel für die vielen Merkwürdigkeiten und Ungereimtheiten rund um den Fall: In einem aktuellen Gutachten wurde rekonstruiert: Oury Jalloh hätte über rund zwei Liter Brandbeschleuniger verfügen müssen, damit sein Körper so stark verbrennen konnte, wie Ermittler ihn nach seinem Tod in der Zelle vorgefunden haben.

"Jallohs Fall ist kein Einzelfall. Es gibt eine lange Liste von Namen ungeklärter Fälle. Nur ist dieser Fall ganz besonders, weil er 17 Jahre nicht aufgeklärt wurde."
Hadija Haruna-Oelker, Journalistin

Die Verfahren zum Tod von Oury Jalloh wurden alle eingestellt. Ein Untersuchungsausschuss vom Land Sachsen-Anhalt abgelehnt. 17 Jahre später bleiben noch viele Zweifel und Stimmen, die eine Aufklärung fordern.

"Dieser Oury-Jalloh-Fall macht deutlich, dass wir nicht in die USA schauen müssen. Dass wir uns hier mit den Strukturen auseinandersetzen können, müssen."
Hadija Haruna-Oelker, Journalistin

Ein exemplarischer Fall

Die Journalistin Hadija Haruna-Oelker hält den Fall von Oury Jalloh für exemplarisch, weil es sich dabei nicht um einen Einzelfall handele. Sie verweist auf einen Prüfbericht einer Sonderermittlerkommission aus dem Jahr 2020, die vom Parlament in Magdeburg eingesetzt wurde. Das Ergebnis: Fast jede polizeiliche Handlung im Zusammenhang mit Oury Jallohs Fall sei fehlerhaft oder rechtswidrig gewesen.

Für Hadija Haruna-Oelker sind das Indizien für institutionellen Rassismus und Strukturprobleme bei der Polizei. Und daher hält sie diesen Fall und seine Aufklärung bis heute für so wichtig.

Und eines ist für sie spätestens seit dem Fall Oury Jalloh klar: Nicht nur in die USA schauen: Es gehe darum, sich auch in Deutschland mit Strukturen, die Rassismus fördern, auseinanderzusetzen.