"So oder so ist das Leben" von Benedikt Feiten erzählt von Anton Lobmeier, den alle nach der peinlichen Sache mit der Kassette auf einer Party nur noch den "großen Anton Lobmeier" nennen – den großen Anton Lobmeier, der alles verkackt.

Anton weiß nicht, wann genau es angefangen hat, dass er sich selbst als Verlierer gesehen hat. Als jemanden, der immer ein bisschen zu weit geht, oder zu früh anhält, oder zu schnell wegguckt, oder einfach unfassbares Pech hat.

"Ich bin Anton Lobmeier. Der große Anton Lobmeier. Ich bin tatkräftig. Ich fühle mich zuversichtlich. Ich ruhe in mir selbst."
Auf Kassette aufgesprochene Affirmationen des Protagonisten Anton Lobmeier, die auf einer Party vor allen Anwesenden abgespielt werden.

Vielleicht hat es angefangen, als er sich als kleiner Junge auf ein Elfmeter vorbereitet hat – ganz siegessicher und Grimassen schneidend – als er dann umknickt ist und das Tor um fünf Meter verfehlt hat, hat er sich wie ein Verlierer gefühlt. Vielleicht hat es aber auch schon viel früher angefangen – eventuell schon bei seiner Geburt. Vielleicht hat er diese Einstellung auch von seinem Vater: Denn auch sein Vater ist so ein Typ, der immer den Kopf senkt und ständig vor sich hin leidet.

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Sein Vater leidet zum Beispiel darunter, immer noch auf der Straße für seine frühere Rolle in einer TV-Krimiserie erkannt zu werden. Er hatte darin den etwas trotteligen, aber gutmütigen Polizisten Floppe gespielt.

Anton liebt die Rolle seines Vaters, guckt die Folgen immer wieder. Vor allem, seitdem sein eigenes Leben in so viele Einzelteile zersprungen ist. Er sieht sich weder in der Lage, sie wieder zusammenzusetzen, noch zu erkennen, welche Form sie mal als Ganzes ergaben hatten. Sein persönliches Fazit: Er war nichts. Und er ist nichts.

Aber Anton ist nicht unglücklich damit. So ein Nichts birgt auch Freiheiten. Bis vor einem Jahr hat er für eine Marketingagentur gearbeitet. Er ist fleißig gewesen, und loyal. Er hat gebügelte Hemden getragen und immer auf seinen Chef gehört. Er hat sogar "Affirmationen" auf eine Kassette gesprochen, um dadurch ein besserer Mitarbeiter zu werden.

Die Pfeiler, die seine Existenz stützen, fallen weg

Und er würde wohl noch immer dort arbeiten und sich dafür hassen, hätte seine Freundin Doro ihn nicht verlassen, wäre seine Mutter nicht einfach tot umgekippt und seine beste Freundin Sophia nicht spurlos verschwunden. Also, wenn er nicht auf einmal alles verloren hätte, was ihm Halt gegeben hat.

Was bleibt – alles oder nichts

Sophia hatte ihn mal gefragt, was ihm bliebe, wenn er alles verlieren würde. Seine Antwort darauf: "nichts". "Alles", hatte sie ihn korrigiert. Inzwischen macht Anton, was er will: Er fährt Pizza aus, ohne sich dafür zu schämen. Er raucht Kette, obwohl er früher nie geraucht hat. Er erwartet nichts vom kommenden Tag.

Als ihn dann nach einem Jahr plötzlich eine Postkarte von Sophia erreicht, fängt Anton Lobmeier endlich an, auch die letzten Scherben seines früheren Lebens aufzukehren.

Anton weiß: Er muss Sophia finden und fragen, wie es ihr geht.

Das Buch

"So oder so ist das Leben" von Benedikt Feiten, Voland & Quist, 288 S., gebundene Ausgabe (Hardcover): 20 EUR, E-Book: 11,99 EUR, ET: 15.03.2019