Der 57-Jährige, dem weltweit erstmals ein Schweineherz als Ersatzorgan eingesetzt wurde, ist tot. Wir erklären, warum die Transplantation trotzdem kein medizinischer Fehlschlag war.

Im Januar war den Mitarbeitenden im Universitätsklinikum in Baltimore in den USA Großes gelungen. In einer mehrstündigen Operation hatten Ärzt*innen einem 57-Jährigen an einer lebensgefährlichen Herzkrankheit leidenden Mann ein genetisch verändertes Schweineherz eingesetzt. Bei der OP handelte es sich um die erste Organtransplantation dieser Art weltweit.

Zwar musste der Mann anschließend für einige Tage an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden, doch danach sei sein Zustand den Mediziner*innen zufolge stabil gewesen. Nun ist er verstorben, nachdem sich sein Zustand einige Tage vorher verschlechtert hatte.

"Das Herz hat zwei Monate lang funktioniert. Der Körper des Mannes hat das fremde Organ erst mal akzeptiert."
Julia Polke aus den Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten über den Erfolg der Transplantation

Auch wenn der Patient nur zwei Monate nach der Operation verstorben ist, sei die Transplantation aus medizinischer Sicht trotzdem ein Erfolg, so Julia Polke aus den Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten. Denn der Körper hätte das Herz nicht abgestoßen und es habe zumindest für zwei Monate funktioniert.

Ein Schweineherz als einzige Hoffnung

Die Mediziner*innen wollen nun herausfinden, ob der Patient gestorben ist, weil sein Körper das Herz am Ende doch abgestoßen hat oder ob es einen anderen Grund dafür gab. Und auch sie sehen es als Erfolg an, dass das fremde Organ überhaupt so lange ohne technische Geräte funktioniert hat.

Für David Bennett, so hieß der Verstorbene, war das Schweineherz die einzige Chance. Er war im Oktober letzten Jahres ins Krankenhaus gekommen, weil er eine lebensbedrohliche Herzschwäche im Endstadium hatte. Ohne eine externe Herz-Lungen-Maschine hätte er nicht überlebt.

Er stand zwar auf mehreren Transplantationslisten, wurde aber von allen abgelehnt, weil Ärzt*innen kaum eine Chance darin sahen, dass ein neues Organ ihm das Leben gerettet hätte. Aus welchen medizinischen Gründen sie das dachten, wurde bislang allerdings nicht veröffentlicht.

Weil die Mediziner*innen in der experimentellen Transplantation eines gentechnisch veränderten Schweineherzens in diesem Fall die einzige Lösung sahen, wurde die OP notfallmäßig durch die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA zugelassen.

Warum das Herz genetisch verändert war

Die genetische Veränderung des Herzens war wichtig, um die Wahrscheinlichkeit, dass das Fremdorgan abgestoßen wird, zu verringern. Eine US-amerikanische Firma züchtet Schweine, bei denen bestimmte Gene verändert, ausgeschaltet oder durch menschliche Gene ersetzt werden, um die Herzen für das Immunsystem menschenähnlicher aussehen zu lassen.

"Bei diesem Herz hatte man einerseits bestimmte Strukturen weggezüchtet, gegen die der menschliche Körper natürlicherweise Antikörper produziert und man hat auch das Wachstum des Herzens unterdrückt."
Julia Polke aus den Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten über die Notwendigkeit der genetischen Veränderung des Schweineherzes

Die Firma macht das, weil es zu wenig menschliche Organe von Spender*innen gibt. Da Schweineherzen etwas größer als die von Menschen sind, musste das Herz auch dahingehend verändert werden, sagt Julia Polke. Zusätzlich bekam der Patient ein neues Medikament das das Immunsystem unterdrückt.

Größte Ähnlichkeit mit den Organen von Schweinen

Die Forschung wird trotz des Todes von David Bennett weitergehen. Denn zum einen steht noch nicht fest, woran er gestorben ist. Zum anderen wird schon länger erforscht, wie Organe von einer Art in eine andere eingesetzt werden.

So wurde in den 1980er-Jahren einem nicht überlebensfähigem Baby das Herz eines Pavians eingepflanzt. Dass die Organe von Pavianen verwendet werden, ist eher die Ausnahme. Schweine, wie im aktuellen Fall, eignen sich besser dafür. Denn sie sind leichter zu züchten und ihr Organaufbau und Stoffwechsel sind dem des Menschen sehr ähnlich.

Die Forschenden haben eher ein anderes Problem. Derartige experimentelle Transplantationen können nur durchgeführt werden, wenn die Patient*innen keine andere Option mehr haben und zu krank für ein menschliches Spender*innenorgan sind. Und, wenn sie ihren Körper zu Forschungszwecken zur Verfügung stellen.