Alle drei Jahre holen die Torajas ihre Toten aus den Gräbern, waschen sie und kleiden sie neu ein. Für uns bizarr, für die Torajas ein wichtiges Ritual für den Übergang ins Jenseits.

Die Torajas sind eine Ethnie auf der indonesischen Insel Sulawesi. DRadio-Wissen-Reporter Gero Simone hat keine Mühen gescheut, bis in das Dorf Lokolemo zu reisen. Er wollte das Totenritual miterleben, dass alle drei Jahre in dem Dorf stattfindet. Für die Torajas ist es anscheinend nicht störend, wenn Fremde bei dem Ma'Nene-Ritual dabei sind. Die Dorfbewohner holen dann ihre mumifizierten Toten aus den Gräbern, waschen sie, kleiden sie neu ein und statten sie mit kostbaren Grabbeigaben aus.

"Ich erinnere mich gerade an meine Kindheit. Ich vermisse ihn. Großvater hat uns immer angerufen. Er war sehr schlau, ein guter Mensch und sehr liebevoll."
Desi, Toraja aus dem Dorf Lokolemo

So wie die 20-jährige Desi holen auch andere Dorfbewohner tote Angehörige aus ihren Gräbern und öffnen mit Mundschutz die Särge. Ein muffiger, modriger Geruch verbreitet sich. Martin ist gerade dabei seinen Vater herzurichten, pinselt die Stirn und die Wangen vorsichtig ab. Für Martin ist das Ritual Ausdruck von Dankbarkeit gegenüber seinem Vater, der sich immer liebevoll um ihn gekümmert hat. Mit dem Ritual möchte er ihm diese Liebe zurückgeben. In das Grab legt Martin Geld, damit sich sein Vater davon Zigaretten kaufen kann - im Jenseits, im zweiten Leben nach dem Tod.

Die Toraja wurden von den niederländischen Kolonialisten im 20. Jahrhundert christianisiert. Ihre Religion ist eine Mischung aus Christentum und Naturglaube. Die Torajas glauben, dass der Geist der Toten wieder zurück auf die Erde kommt, um den Lebenden zu helfen. So erscheinen die toten Verwandten zum Beispiel im Traum und geben Tipps, welche Kräuter bei Krankheit helfen.

"Wenn wir uns um die Toten kümmern, werden wir ein gutes Leben haben."
Petrus, Toraja aus dem Dorf Lokolemo

Für die Torajas sind die Toten so mit dem Leben verbunden, dass sie sich mit den frisch gekleideten Toten gegenseitig fotografieren. Eine recht bizarre Szenerie, an die sich Gero nicht gewöhnen kann.

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