Zehn Millionen Euro haben die Besitzer angeblich in den Dressurhengst Totilas investiert. Doch wegen einer Verletzung ist dessen Turnierkarriere nun vorbei. Ganz vorbei? Nein, denn Totilas hat nun eine Karriere als professioneller Sperma-Spender vor sich.

In der letzten Zeit hatte Totilas immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Insofern ist es im Sinne des Tierwohls, dass der Hengst nicht mehr bei Turnieren antreten wird, erklärt der Sportjournalist Marcus Tepper. "Wenn man sich die Krankengeschichte dieses Tieres anguckt, dann war es mehr verletzt, als dass es im Turnierviereck gestanden hat", sagt Marcus. Als sich Totilas bei der Europameisterschaft ein Knochenödem im Kronbein des linken Hinterbeines zugezogen hatte, sei allen Sportjournalisten klar gewesen: "Jetzt geht es nicht mehr weiter."

Ein charismatisches, eigenwilliges Pferd

Vor allem die Beziehung zwischen Reiter und Pferd ist bei Dressurreiten besonders wichtig. "Als Totilas als dreifacher Weltmeister für die Niederlande vor vier Jahren nach Deutschland kam, gab es Diskussionen: Wer soll dieses starke, charismatische, eigenwillige Pferd reiten?" Die Entscheidung, dass Matthias Rath der Reiter von Totilas wurde, war umstritten. Schließlich ist er der Stiefsohn einer der Besitzerinnen. Aber für Rath wird sich schon ein anderes Pferd finden: "Die Familie ist finanziell so gut gestellt, die haben genug Nachwuchspferde im Stall", sagt Tepper.

Immerhin: Die Karriere von Totilas ist noch nicht ganz beendet. Denn er wird als Deckhengst weiter gebraucht, sein Sperma ist mehrere Tausend Euro wert. Allerdings könnte der Preis nach dem Turnierende ein wenig sinken, erklärt Marcus Tepper. Bislang gilt die deutsche Pferdezucht als führend: "Man sagt, ein erfolgreicher Vater und eine erfolgreiche Mutter ergibt eine tolle sportlich erfolgreiche Nachkommenschaft. Wie robust die sind, muss man dann sehen", so Marcus.

"So eine Portion Sperma von Totilas kostet tiefgefroren 4000 Euro. Wenn die Stute trächtig wird, kommen noch mal 4000 dazu."
Marcus Tepper

Traurigerweise wird der Deckhengst Totilas bisher nur selten an lebende Stuten heran gelassen. Meistens passiert auf einem sogenannten Phantom. "Das ist so eine Art Turnbock, wie man ihn aus der Schule kennt", sagt Marcus. "Und Totilas wird in diesen Raum geführt, springt auf das Phantom und denkt, er hat eine Stute vor sich."