Willigen bei Kassel ist ein Touristen-Magnet. Dort gibt es Après-Ski-Partys, Kegel-Club-Ausflüge und Junggesellenabschiede. Kurz: Hier gibt es Party! So ganz glücklich ist Willingen aber nicht mehr mit diesem Image. Was tun?

Das wummernde Party-Herz der 6000-Einwohner-Stadt Willingen ist das Brauhaus. Dort gibt es wilde Après-Ski-Partys, jedes Jahr wird der "Ballermann Award" vergeben. Man ist stolz auf die "größte Vatertagsparty im Sauerland". Es gibt noch mehr Locations, die Feierwütige mit Schlager-Pop anziehen. Stars wie Jürgen Drews kommen, Micky Krause und viele andere bekannte Namen aus der Szene. Und mehr als eine Millionen Gäste kommen jedes Jahr in die Stadt.

Willingen reicht's

Aber Willingen hat keine Lust mehr auf das Theater. Jeder Besucher bekommt nun Benimmregeln, in denen Willingen festhält, was nicht erwünscht ist: Müll und leere Flaschen in den Straßen, nächtliche Ruhestörung durch lautes Singen, Wildpinkeln. Auch Verkleidungen und Fußballtrikots sind nicht mehr erwünscht. Besoffene Gäste sollen nicht mehr in die Kneipen gelassen werden, Alkohol trinken auf offener Straße ist verboten. Der Ort will weg von seinem Image als Party-Location

Willingen wird sein Image nur schwer los

Aber so ein Image lässt sich nicht so einfach ändern, sagt Bernd Schabbing, International School of Management in Dortmund, Experte für Tourismus Management: "Man kann es schaffen, das Klientel zu verändern, aber es ist ein sehr mühsamer Prozess." Vor allem sei es aber auch ein schmerzhafter Prozess: Wenn man es richtig angehen will, hat man erst mal ein paar schwere Jahre, sagt der Tourismusmanager.

Beispiel Mallorca: Die Behörden haben dem Ballermann-Tourismus den Kampf angesagt und haben hart durchgegriffen, sagt Bernd Schabbing. Dadurch sind viele Gäste weggeblieben: "Wenn wir da nicht mehr so gut feiern können, gehen wir rüber nach Ibiza oder Lloret de Mar oder woanders hin." Party geht eben auch woanders.

"Wenn man die Partygäste nicht mehr haben will, muss man das ganze Image umstricken."
Bernd Schabbing, International School of Management in Dortmund

Das ganze Jahr über Party zu machen, im Sommer wie im Winter, ist bequem. Irgendwie ist das dann auch ein hausgemachtes Problem: "Ich spreche mein Stammklientel aus dem Winter im Sommer mit ähnlichen Angeboten an und hole sie wieder hier hin", sagt Bernd Schabbing. "Das ist der Weg des geringsten Widerstandes." Damit gibt es Party ohne Ende.

Denn Willingen sei von der ganzen Infrastruktur auf Großevents und Partys abgestimmt. Das Willinger Brauhaus zum Beispiel ist eine große Location mit riesigem Saal, der muss irgendwie genutzt werden. "Das ist ein massiver Änderungsprozess", sagt Schabbing. Für die Gastwirte, aber auch für das Marketing. Bernd Schabbing glaubt darum auch nicht, dass Willingen seine Partygäste komplett loswerden möchte: "Die wollen ihrer Klientel nur deutlicher sagen: Hier sind die Grenzen!"