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Vom lässigen Spruch über den Rollstuhl bis hin zum Lob für den heißen Freund trotz Behinderung: Amelie erzählt klärt uns über Nicht-Komplimente auf.

Mit ihrem Freund und einer guten Freundin hat Amelie einmal einen Biergarten besucht. Als ihr Freund kurz weg war, um Essen zu besorgen, rutschte eine fremde Frau vom Ende der Bierbank zu Amelie und ihrer Freundin. Sie erkundigte sich danach, zu wem Amelies Freund denn gehören würde.

"Der Frau war dann das Entsetzen ins Gesicht geschrieben", erinnert sich Amelie rückblickend. "Guter Fang", meinte die Frau dann noch zu ihr. "Er hat ja mit mir auch nicht alles falsch gemacht," konterte Amelie. "Dann war sie wieder baff und ist weggerutscht."

Dass sie aus Sicht der Frau als Partnerin für ihren Freund aufgrund ihres Rollstuhls wohl nicht infrage kommen könnte, hat Amelie verletzt.

Im Nachhinein denkt Amelie, dass ihr spontaner Spruch damals die einzige Lösung in der Situation war. Dass die Frau daraus etwas gelernt hat, glaubt sie hingegen nicht.

"Ich weiß, dass mein Freund heiß ist, weil ich ihn mir ja ausgesucht habe. Aber warum ist es so verwunderlich, dass ich einen heißen Freund habe?"
Amelie, sitzt im Rollstuhl und bekommt oft toxische Komplimente
Amelie
© Privat
Amelie reagiert auf toxische Komplimente mit Schlagfertigkeit.

"Schön, obwohl du im Rollstuhl bist"

Doch das Erlebnis im Biergarten war nicht die einzige unangenehme Situation in Amelies Leben. Denn: Antikomplimente bekommt sie regelmäßig zu hören. "Fast jedes Kompliment, das ich bekomme, hat so eine unterschwellige Beleidigung in sich." Oft wird sie von anderen dafür gelobt, dass sie trotz Rollstuhl ganz normale Dinge macht.

Wie sehr sie die Sprüche eigentlich verletzen, war Amelie nicht immer bewusst. Als sie noch nicht lang im Rollstuhl saß, habe sie sich für die nett gemeinten Kommentare meistens noch bedankt. "Jetzt, wo ich mich in den letzten Jahren mehr mit Ableismus beschäftig habe, fallen mir solche Dinge ganz schnell auf."

Amelie glaubt übrigens nicht, dass es ihre Pflicht als Betroffene ist, jeden, der ein blödes Kompliment bringt, darüber aufzuklären, warum dieses eben nicht nett ist.

"Die Zeit will ich mir für die Person nicht nehmen, außer ich merke, dass sie vielleicht aufklärungsbereit ist und wirklich mehr dazu erfahren möchte."
Amelie, sitzt im Rollstuhl und bekommt oft toxische Komplimente

Amelie glaubt, dass es mehr Sinn ergibt, Chatkonversationen mit Nicht-Komplimenten zu screenshotten und mit ihrer Instagram-Community zu teilen. "Ich erreiche da viel mehr Leute, und die Aufklärungsbereitschaft ist viel größer."

"Toll, wie du das machst, ich könnte das ja nicht." Amelie ist nicht die Einzige, die solche Sprüche zu hören bekommt. Die Mutter ihres Exfreunds hat in Anwesenheit von Amelie selbiges Nicht-Kompliment an ihren Sohn ausgeprochen.

Dass die Leute ihre Fehler von selbst einsehen, kommt selten vor. "In der jeweiligen Situation spreche ich es auch nicht immer an." Amelie glaubt, dass sich viele Menschen nicht bei ihr entschuldigen, weil sie ihnen nicht immer kommuniziert, dass sie von einem Kompliment verletzt wurde. "Ich will nicht wieder die sein, die die Stimmung versaut, was natürlich blöd ist, weil ich ja die Verletzte bin", sagt sie.

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