Lenny aus Berlin ist trans mit intakter Gebärmutter und Eierstöcken. Aber zum Frauenarzt zu gehen, hat er sich nie getraut. Schon das Betreten der Praxis und das Sitzen im Wartezimmer sind ihm unangenehm, erzählt er uns.

Es ist nicht alltäglich für einen Mann, zu einer Frauenärztin zu gehen – außer vielleicht, er begleitet seine Frau. Für einen Transmann, der weibliche Geschlechtsorgane besitzt, ist es schwer, sagt Lenny. Allein die Blicke der Arzthelferinnen und der Frauen, die mit ihm im Wartezimmer sitzen, machen es Lenny schwer, überhaupt einen Termin zu vereinbaren, erzählt er. Diese Vorstellung hat dazu geführt, dass Lenny 26 Jahre lang keinen Fuß in eine Frauenarztpraxis gesetzt hat.

Das erste Mal ist er vor drei Jahren in eine gynäkologischen Praxis gegangen, als er mit seiner Geschlechtsangleichung begonnen hat.

"Der Gang dorthin ist immer schwierig - überhaupt einen Termin zu machen. Es nennt sich ja nicht nur Gynäkologie, sondern "Frauenheilpraxis" und da fühle ich mich einfach nicht zugehörig."
Lenny fällt es als Transmann schwer, zum Frauenarzt zu gehen.

Der erste Gynäkologe, der ihn untersucht, hält sich nicht an die Bitte Lennys, ihm genau zu sagen, was er untersucht, wie er vorgeht und mit welchen Instrumente er wann in die Scheide eindringt, erzählt er heute. Lenny hat bei der Untersuchung Schmerzen und fühlt sich hilflos.

Behandlung mit Empathie und Verständnis

Ein Jahr lang setzt er erneut keinen Fuß in eine gynäkologische Praxis. Bis er den Tipp für eine Frauenärztin bekommt, die bereits Erfahrung mit Transmännern hat. Auch Gynäkologe Carsten Braun betreut seit mehreren Jahren Transmänner und -frauen.

Dabei geht es Carsten Braun nicht wirklich um eine andere Behandlung von Transmenschen. Als Arzt sei es wichtig, sich in Patienten hineinversetzen zu können und entsprechend der Problemstellung zu behandeln und beraten. Aber auch Carsten Braun weiß, dass manche Praxen unsicher seien, wenn Transmenschen zu ihnen kommen.

"Jeder Kollege, jede Kollegin ist gut beraten, sich mit dem Thema erstmal auch zu beschäftigen, weil: Wissen fördert Aufklärung, Aufklärung fördert vielleicht auch ein Stück weit Toleranz und Offenheit."
Carsten Braun, Gynäkologe

Auch wenn Lenny auf einen Arzt trifft, der mit Empathie und Verständnis Untersuchungen vornimmt, sei es für ihn noch immer eine große Überwindung, weil er sich innerlich von seinem weiblichen Körper verabschiedet hat. Was ihm den Gang zum Frauenarzt leichter machen würde: genderneutrale Praxen.