Emile Ducke kennt sich mit der Geschichte Transnistriens gut aus. Zum ersten Mal machte er sich schon mit 19 auf den Weg in die proklamierte Republik, die zwar seit 1990 unabhängig, aber bis heute nicht anerkannt ist. Vor dem Zerfall der Sowjetunion gehörte die Region zur Republik Moldau - völkerrechtlich ist das auch heute noch so.

"Als Fotograf suche ich Situationen, in denen die Zeichen dieses ungelösten Konflikts sichtbar werden."

Absurde Denkmäler und eigene Feiertage

Eine Reportage über die Republik Moldau hatte Emile neugierig gemacht. Also machte er sich auf den Weg in den schmalen Streifen Land an der Grenze zwischen der Republik Moldau und der Ukraine. Als Fotograf war er fasziniert, wie "die transnistrischen Autoritäten versuchen, durch sowjetische Symboliken eine eigene Identität herzustellen. Das führt zum Teil zu sehr absurden Denkmälern", erzählt er.

Emile hat sogar einige Monate in Transnistrien gelebt und sich auf die Suche nach Motiven gemacht, die die kulturelle Identität des Landes ausmachen: "Das konnte zum Beispiel ein transnistrisches Klassenzimmer sein, in dem der Mathelehrer unter dem transnistrischen Wappen mit Hammer und Sichel, einem sowjetischen Soldateneid und einem Stalinporträt unterrichtet."

"Als ich 2013 von Transnistrien gehört hab, hat es mich gewundert, dass ein Staat mehr als zwanzig Jahre existiert, international aber nicht anerkannt wird."

In Transnistrien gibt es eigene Feiertage, eigene Traditionen und viele Denkmäler. 2014 stellte die Republik einen Beitragsantrag zur Russischen Föderation. "Größtenteils ist das auch Konsens: Von der Republik Moldau unabhängig sein und gleichzeitig Mitglied der Russischen Föderation werden." In ländlicheren Regionen außerhalb der Hauptstadt Tiraspol gibt es aber auch Leute, die nicht zu Russland gehören wollen und deshalb kommt es immer wieder zu Konflikten, erzählt der Fotograf.