Musikerinnen und Musiker sollen fair bezahlt werden, da dürften sich die meisten einig sein. Erschwert wird das allerdings durch komplizierte Lizenzen an der Musik. Durch die Blockchain, ein Bezahlsystem im Netz, könnte sich das ändern. 

Wenn ihr jemandem Geld überweisen wollt, passiert das normalerweise über einen Zwischenhändler, etwa eine Bank. Bei der Blockchain fällt - vereinfacht ausgedrückt - dieser Zwischenhändler weg. Eine Blockchain (deutsch: "Blockkette") ist eine Liste digital miteinander verknüpfter Datensätze.

"Mithilfe eines Netzwerks werden Krypto-Währungen direkt von A nach B transferiert."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Die Informationen über diesen Transfer werden aber nicht (wie bei einer Bank) auf einem zentralen Server gespeichert, sondern auf ganz vielen Rechnern - und das auch noch verschlüsselt. Deswegen ist die Blockchain in Sachen Sicherheit weit vorne: weil sie nicht so anfällig ist für Hackerattacken. Das System ist dezentral und transparent.

Musikindustrie: "Smart Contracts" regeln Verteilung

In der Musikindustrie gibt es viele Zwischenhändler, die Infrastruktur zur Verfügung stellen sowie Rechte und Lizenzen klären. Die Blockchain könnte das zwar nicht ändern, könnte die Vorgänge aber transparenter machen, sagt Anke van de Weyer.

"Oft wissen Künstler nicht einmal selbst, wer was wie an ihrer Musik verdient."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova
  • bei der Blockchain werden "Smart Contracts" geschlossen: digitale Verträge, auf denen direkt auch die Vertragsbedingungen gespeichert sind
  • ihr kauft nicht nur ein Musikstück, sondern durch den Vertrag kann auch die Kohle an die Leute verteilt werden, die Geld für die Musik bekommen: der Sänger bekommt einen Teil, der Songwriter einen anderen und die Produzenten einen dritten
  • diese Verteilung machen im Moment noch die Labels
  • bei der Blockchain passiert alles automatisch
"Durch die Blockchain werden - wenn das klappt - Fans und Musiker wieder direkter zusammengeführt."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Auf Vermarktung und Werbung hat die Blockchain aber keine Auswirkungen (auch das übernehmen ja oft die Labels).

Schutz vor Konzertticket-Bots

Auch bei Konzerttickets könnte die Blockchain hilfreich sein, glaubt Anke van de Weyer. Denn wenn ein Künstler auf Tour geht, sind die Tickets oft in rasender Geschwindigkeit ausverkauft - um später für ein Vielfaches des Preises auf Weiterverkaufsplattformen wieder aufzutauchen.

"Mithilfe der Blockchain wird auch jedes Ticket zu einem Smart Contract. Eine Vertragsbedingung kann sein: Das Ticket darf nur zum Originalpreis verkauft werden."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Passiert das nicht, wird das Ticket automatisch ungültig. Auch mit diesem System könnten also nach wie vor Tickets von Bots ge- und verkauft werden. Diese könnten die Eintrittskarten dann aber nicht mehr gewinnbringend weiterverkaufen.

Noch nutzen nicht viele Musikgrößen die Blockchain

Das Problem der Blockchains: Momentan ist das Ganze nur ein Nischenprodukt und noch nicht alltagstauglich genug.

  • Es machen noch nicht viele Künstler mit, daher ist das Angebot relativ gering
  • Beispiel: Der US-Beatbastler Giraffage hat seine Musik auf die Blockchain-Plattform Ujo Music hochgeladen - dort stellen die Künstler selbst ihre Musik inklusive aller Rechte ein
  • Außerdem müssen Interessierte natürlich auch erst mal ihr "normales" Geld in eine Krypto-Währung umtauschen – das ist natürlich komplizierter, als einfach online mit einem Klick ein Streaming-Abo abzuschließen oder die Musik runterzuladen

Die Technik ist aber ja noch ziemlich am Anfang, sagt Anke – und glaubt an ihr Potenzial. Beispielsweise werde darüber nachgedacht, wie man das Blockchain-Prinzip an größere Anbieter ankoppeln könnte.