Wenn jemand stirbt, ist das meist ein Schock. In solchen Momenten die richtigen Worte zu finden, um Trost zu spenden, ist nicht einfach. Denn oft wissen wir einfach nicht, was wir sagen sollen. Laura Schör ist Trauerrednerin und sagt: Viel authentischer ist es, die eigene Sprachlosigkeit einfach zuzugeben.

Am 17. Juli 2020 ist er gestorben: John Lewis, der US-Bürgerrechtler, der schon zusammen mit Martin Luther King auf die Straße gegangen ist um für die Rechte von schwarzen Menschen in Amerika zu kämpfen. Jetzt wurde der demokratische Kongressabgeordnete in Atlanta beigesetzt.

Eine Rede bei der Trauerfeier hielt auch der ehemalige US-Präsident Barack Obama – so hat es sich die Familie von John Lewis gewünscht. Denn man war sich sicher: Als langjähriger Freund würde er die richtigen Worte finden. Aber gibt es die "richtigen Worte" überhaupt?

"Ich finde es authentisch, die eigene Sprachlosigkeit auch mal zuzugeben."
Laura Schröer, Trauerrednerin

Trauerrednerin: Ein Job mit viel Verantwortung

Der Tod ist kein Thema, mit dem sich viele gerne beschäftigen. Bei Laura Schröer ist das anders: Sie ist Trauerrednerin. Das heißt, sie schreibt Trauerreden und trägt diese bei Beerdigungen vor. Kein einfacher Job, denn eine Grundregel für den Umgang mit Trauer gibt es nicht, sagt Laura.

Am wichtigsten sei es, die eigene Haltung zu reflektieren. Sie habe akzeptiert, dass Worte die Trauer nicht komplett abnehmen können. Es sei oftmals viel authentischer, die eigene Sprachlosigkeit einfach zuzugeben, sagt sie. Ihr gehe es hauptsächlich darum, mit ihren Worten einen Raum zu öffnen, damit die Anwesenden in das Gefühl eintauchen können, das sie für den verstorbenen Menschen hatten.

"Ich habe nicht den Anspruch an mich, mit meinen Worten die Menschen komplett trösten oder die Trauer abnehmen zu können, weil das kann ich nicht."
Laura Schröer, Trauerrednerin
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"Die richtigen Worte gibt es nicht"

Für Laura gibt es nicht die "richtigen Worte". Jeder sollte mit viel Empathie und Verständnis an Betroffene herantreten, sagt sie. Für ihre Arbeit ist es ihr wichtig, niemandem etwas überzustülpen, wie zum Beispiel Glaubenssätze. Sie knüpfe immer da an, wo die Familie steht. Dafür treffe sie sich im Vorfeld mit den Angehörigen.

Lange Gespräche sind wichtig für sie, sagt Laura. Nur so könne sie herausfinden, wie es den Angehörigen in ihrer Trauer gehe. Bei den Vorgesprächen und bei der Trauerfeier stehe für sie aber immer das Leben, die Erinnerungen, und die Dankbarkeit an den Verstorbenen im Mittelpunkt.

"Ich ermutige sie, ihren eigenen Weg zu gehen. Die Trauer so zu gestalten, wie es für sie gut ist, ohne den gesellschaftlichen Druck oder irgendwelche Erwartungen."
Laura Schröer, Trauerrednerin
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Trauer ist sehr individuell, sagt Laura. Deshalb müsse jeder für sich herausfinden, was Trost spendet. Sie erlebe oft, dass eigene Kraftquellen wie Musik, Sport oder die Natur helfen, die Trauer zu verarbeiten.