Online-Schach, Joggen oder Do-it-yourself-Projekte bis zum Umfallen – die Corona-Pandemie hat so einige Trends hervorgebracht. Aber muss man die auch alle mitmachen? Nicht unbedingt. Manchmal ist es sogar cooler, wenn man sie einfach ignoriert.

Eine Theorie, wie Trends entstehen könnten, besagt: Trends werden von einzelnen Individuen gemacht. Da wären zum Beispiel diese schwarzen, klobigen Plateauschuhe, die von Models wie Bella Hadid auf ihrem Instagramkanal mit über 35 Millionen Followerinnen und Followern als der neue Pandemie-Look beworben werden. Aber sind die Dinger deshalb jetzt sofort das nächste Fashion-Must?

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Christian Unkelbach, Professor für Psychologie an der Uni Köln, ist von der Theorie des Individuums nur halb überzeugt. Er sagt: Oft werden bestimmte Verhaltensweisen zum Trend, aber eben nur, wenn sie gut und sinnvoll erscheinen. Trends, die man ausprobiert und schnell merkt, dass sie sinnlos und dazu noch teuer sind, lasse man schnell wieder sein.

Die Gruppe hat immer Recht

Noch einflussreicher als Individuen, die einen Trend oder eine Verhaltensweise vorgeben, ist das jeweils soziale Umfeld, in dem wir uns bewegen und zu dem wir uns sozial zugehörig fühlen, sagt Christian Unkelbach. Ein alter weißer Mann würde beispielsweise nie den Trend einer jungen Frau übernehmen und umgekehrt.

"Wenn ich nun als alter weißer Mann höre, die jungen Frauen tun gerade folgendes, dann ist das für mich kein Trend, dem ich natürlich folgen würde."
Christian Unkelbach, Professor für Psychologie an der Uni Köln

Kennen wir unsere Gruppe und ihre Trends, dann kommt die Theorie der "Wisdom of the crowd" zum Tragen. Die besagt verkürzt: Die Gruppe hat immer Recht und ist klüger als eine einzelne Person. Wir haben dann also das Vertrauen darauf, wenn eine ganze Gruppe einen Trend anwendet, dann werde dieser schon sinnvoll sein, erklärt Christian Unkelbach.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Sehen wir auf Instagram oder Twitter beispielsweise andauernd Menschen, die während der Pandemie ihre künstlerische Ader entdecken oder ihre Online-Schach-Ergebnisse teilen, dann fragen wir uns also, ob wir das nicht auch tun sollten.

Die Unsicherheit in ungewohnten Zeiten

Vor allem in Zeiten wie einer Pandemie, bei der wir noch nicht so recht wissen, wie man sich am besten verhalten sollte, orientiere man sich an dem Verhalten aller anderen. Das Verhalten könne dann durchaus einen "unheimlich mächtigen Einfluss" auf uns haben, sagt Christian Unkelbach.

"Wenn wir in eine neue Situation kommen, wo wir als Menschen nicht wissen, wie sollen wir uns eigentlich verhalten? Dann ist der erste Hinweis, den wir nutzen, wie verhalten sich andere."
Christian Unkelbach, Professor für Psychologie an der Uni Köln

Man muss sich allerdings bei allen Trends und Hypes, die durch die sozialen Medien geistern, nicht immer der großen Gruppe anschließen

Die eigene Identität bewahren

Die Psychologin Marylinn Brewer spricht beispielsweise von der optimalen Distinktheit. Danach loten wir Menschen immer aus, ob es uns gerade besser geht, wenn wir uns in der großen Gruppe einordnen oder uns lieber davon abgrenzen wollen. Für die Trends heißt das: Wenn wir einem Trend mal nicht folgen oder uns sogar ganz bewusst davon abgrenzen, dann könne das uns dabei helfen, die eigene Identität und das Selbstbewusstsein zu stärken, sagt Christian Unkelbach.

"Dem Trend nicht zu folgen, weil sich daraus eine gute Identität ergibt. Sich davon abgrenzen. Sagen nein, ich mache diesen Trend, diesen kurzlebigen Quatsch nicht mit."
Christian Unkelbach, Professor für Psychologie an der Uni Köln

Auf den Jogging-Hype zu verzichten und auch weiterhin keine klobigen, schwarzen Plateau-Schuhe tragen zu wollen, ist also völlig okay und kann sogar dem Selbstbewusstsein helfen.