Nachtschichten, Wochenendarbeit, keine Pausen. Das war der Arbeitsalltag der Übersetzerin Sylke Hachmeister, als sie zusammen mit ihrem Kollegen nur zwei Monate Zeit hatte, das neue Prequel von "Die Tribute von Panem" zu übersetzen.

Normalerweise haben Übersetzerinnen und Übersetzer mehr Zeit – aber diesmal musste alles sehr schnell gehen. Um "Tribute von Panem X – Das Lied von Vogel und Schlange" von Suzanne Collins in so kurzer Zeit übersetzen zu können, teilten Sylke Hachmeister und ihr Co-Übersetzer Peter Klöss sich den Roman einfach auf: drei Kapitel sie, drei Kapitel er, drei sie, und so weiter...

Übersetzen im Zweier-Team

Alleine wäre das nicht zu schaffen gewesen, sagt Sylke, die auch schon die anderen Teile der Tribute-Reihe mit Peter Klöss übersetzt hat. Am Ende merke man keinen Unterschied zwischen dem, was er und dem, was sie übersetzt hat, ist sie sich sicher. Wenn sie heute in die alten Bücher reinschaut, weiß sie selbst nicht mehr, wer was gemacht hat.

Wenn sie übersetzt, verrät Sylke Hachmeister, liest sie vorher nicht schon das ganze Buch – damit es auch für sie spannend bleibt. Sie liest quasi übersetzend. Wenn es aber gar zu spannend ist, und sie nicht warten kann, dann blättere sie schon mal ein bisschen vor.

Bei dem gerade erschienen Tribute-Prequel war es so. Eigentlich ist Sylke gar kein Fantasy-Fan, und Jugendbücher liest sie privat auch kaum. Die Tribute-von-Panem-Reihe findet sie aber super. Sprachlich sei die auf einem hohen Niveau, die Charaktere gut ausdifferenziert und die Bücher behandelten reale Fragen, die alle angehen: moralische Fragen und Medienpräsenz zum Beispiel.

"Ich find es erst mal toll, so eine gute Autorin zu übersetzen. Und wenn das dann noch erfolgreich wird, das ist natürlich super."
Sylke Hachmeister, Übersetzerin

Den Leserinnen und Lesern gefällt es offenbar auch. Seit der erste Tribute-Band vor rund elf Jahren erschienen ist, ist der Hype um die Reihe ungebrochen. Gut auch für Sylke Hachmeister und ihren Kollegen. Denn Übersetzung, so Sylke, ist nicht gut bezahlt – als Literaturübersetzerin ist es nicht so leicht zu überleben. Deshalb freut sie sich doppelt: Mit den Tributen habe sie das Glück, eine gute Autorin zu übersetzen, und es lohne sich auch noch finanziell.