Mit unseren Trinkgeldern honorieren wir den guten Service des Personals. Doch immer wieder kommt es vor, dass Chefs Trinkgelder in die eigene Tasche stecken, obwohl es dem Personal gehört. Angestellte sollten sich das nicht gefallen lassen.

Glaubt man der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), dann kommt es vor allem in kleinen Betrieben mit bis zu 25 Mitarbeitern immer wieder zu Fällen, in denen Chefs Trinkgelder für das Personal selbst einkassieren. In größeren Betrieben würde sich dagegen immer jemand finden, der sich beschwert. Zu Recht, denn im Gesetz ist klar geregelt, dass die Gelder abgegeben werden müssen. Das Trinkgeld ist ein steuerfreies Geschenk des Gastes an seine Bedienung.

"Das Trinkgeld muss der Chef abgeben. Es ist ein steuerfreies Geschenk des Gastes an seine Bedienung."
Pascal Fischer, Deutschlandfunk Nova

Andernfalls stellt sich der Chef selbst ein Bein. Denn behält er das Geld, dann sind es zu versteuernde Betriebseinnahmen. Verschweigt er die zusätzlichen Einnahmen dem Finanzamt, dann unterschlägt er das Geld, so unser Reporter Pascal Fischer.

Ausreden und Druck der Chefs

Oft haben Angestellte Bedienportemonnaies. Es kann vorkommen, dass der Chef diese am Abend einkassiert und alles abgreift. Elmar Jost von der Gewerkschaft NGG hat schon die absurdesten Geschichten gehört, mit denen Gastronomiebetreibende die Unterschlagung rechtfertigen: für Ausfall des Personals wegen Krankheit, für kaputte Gläser oder für eine spätere Auszahlung, zu der es aber nie komme.

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Und dann gebe es Fälle, in denen der Chef das Personal einschüchtert und mit Kündigung wegen Diebstahls droht, sollten die sich Trinkgelder einstecken, so Elmar Jost.

"Oft läuft es auch so: Wenn der Chef sieht, dass sich die Serviererin was in die Tasche steckt, dann droht er mit Kündigung wegen Diebstahl."
Pascal Fischer, Deutschlandfunk Nova

Angestellte sollten sich von solchen Drohgebärden nicht einschüchtern lassen und sich ihrer Macht bewusst werden, sagt Elmar Jost. Er rät den Betroffenen, sich direkt an die Gewerkschaft zu richten oder das Gespräch mit dem Chef zu suchen und selbst mit der Kündigung zu drohen. In der Gastronomie herrsche schließlich Fachkräftemangel. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Dehoga befürchtet zudem: Frustrierte Trinkgeld-Geprellte gehen so der ganzen Branche verloren, weil sie sich andere Jobs suchen.

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Damit die Trinkgelder auch da ankommen, wo sie hingehören, empfiehlt sich eine Sammelkasse. Damit bekommt dann auch der Koch ein Stück vom Kuchen ab.

"Wenn irgendwo so eine Art Schweinchen oder Sammelkasse im Bereich des Ein- oder Ausgangs steht, dann kann man schlecht davon ausgehen, dass da jemand Schindluder damit treibt."
Mathias Johnen, Deutscher Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA