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Forschende haben das Verhalten von Menschen untersucht, die im Netz als Trolle unterwegs sind. Das Ergebnis: Sie verhalten sich im normalen Leben ähnlich.

Gelegentlich treffen Journalistinnen, Netzaktivisten oder Promis Menschen, die im Netz durch rechte, beleidigende oder einfach feindselige Kommentare aufgefallen sind. Mit dem Fazit: Im wahren Leben, offline, sei die Person eigentlich ein ganz netter, höflicher Mensch. Doch diese sogenannte Diskrepanztheorie ist laut einer neuen Studie aus den USA und Dänemark nicht länger haltbar.

Alexander Bor ist Politologe an der dänischen Uni Aarhus und einer der Co-Autoren der Studie. Er schreibt bei Twitter, sein Team habe über vier repräsentative Stichproben hinweg auffallend hohe wissenschaftliche Zusammenhänge zwischen Online- und Offline-Feindseligkeit gefunden. Die Menschen, die andere bei Twitter beleidigen, würden das auch in Gesprächen von Angesicht zu Angesicht tun. Für ihre Studie hatten die Forschenden 8000 Dänen und Amerikaner zu Online- und Offline-Diskussionen über Politik befragt.

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Die Forschenden sagen, dass mehrere Faktoren dazu beitragen, wenn Menschen andere im Netz beleidigen. So spiele etwa auch die Anonymität eine Rolle. Aber: Die bereits existierenden Persönlichkeitsunterschiede seien der weitaus stärkere "Treiber". sagen die Forschenden. Trolle im Netz seien Menschen, die aggressives Verhalten zeigen, um ihren Status zu festigen.

"Das Internet macht diese Menschen dabei nur sichtbarer, es gibt ihnen quasi ein Megafon an die Hand."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Es geht den Trollen um Anerkennung und Status. "Weshalb sie sich online wie offline dominant und aggressiv geben, um bloß in jeder Diskussion die Oberhand zu bekommen. Das Internet macht diese Menschen dabei nur sichtbarer, es gibt ihnen quasi ein Megafon an die Hand", sagt Netz-Reporterin Martina Schulte. Die Studie der dänischen Forscher sei nun als eine Art Plädoyer zu verstehen, den Trollen dieses Megafon wegzunehmen oder es leiser zu drehen

Alexander Bor sagt, man könne Online-Hass nicht durch Bildung bekämpfen, weil dieser Hass nicht aus Ignoranz entstehe. Die sozialen Netzwerke müssten vielmehr klare Regeln formulieren und sie auch durchsetzen. Wenn man Online-Hass wirksam bekämpfen wolle, müsse man die Sichtbarkeit und Reichweite von hasserfüllten Menschen einschränken, so die Forschenden. Twitter probiert das gerade zum Beispiel mit einer automatischen Blockierungsfunktion.

Neuer Safety Mode bei Twitter

Twitter hat vor, einen sogenannten "Safety Mode" einzuführen, um das Gesprächsklima zu verbessern. Wie die BBC berichtet sollen Accounts im Safety Mode sieben Tage lang geblockt werden, wenn der Accountinhaber oder die -inhaberin Hasskommentare geschrieben oder andere Menschen mit unaufgeforderten Kommentaren getrollt hat. Derzeit werde dieser "Safety Mode" von einer kleinen Gruppe von Nutzern und Nutzerinnen getestet.