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Die Bilder aus Ravensburg dürften manchen Partymenschen Tränen in die Augen treiben. Feiern ohne Abstand und Maske. Die Stadt in Baden-Württemberg ist Teil eines Modellprojekts. Doch auch in anderen Bundesländern dürfen Klubs nach und nach öffnen.

Tanzen, schwitzen, feiern – ohne Abstand und Maske. Vielleicht hat die deutsche Partyszene noch nie so gebannt nach Ravensburg geschaut wie am ersten Juliwochenende 2021. Nachdem die allermeisten Klubs in Deutschland seit über 15 Monaten geschlossen sind, durften die einzigen beiden Klubs der 51.000-Einwohner-großen Stadt wieder öffnen.

Ravensburg: Feiern für die Wissenschaft

Das Ganze ist Teil eines Modellprojekts des Landes Baden-Württemberg. Wie in anderen Testregionen haben sich auch hier problemlos mehrere hundert Menschen gefunden, die ausprobieren wollten, wie es ist, im Coronasommer 2021 eng an eng und ohne Maske zu feiern.

"Wenn man die Videos von Ravensburg sieht, kann man sich gar nicht vorstellen, dass das im Juli 2021 gedreht worden sein soll."
Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk Nova-Reporter
Dutzende Menschen warten vor dem Club Kantine, um nach einem Corona-Test in den Club zu dürfen. Dank eines Modellprojektes darf der Club öffnen.
© picture alliance/dpa | Felix Kästle
Fast wie vor Corona: Menschen stehen vor einem Klub Schlange

Rene Minner, Mitbetreiber des Klubs "Kantine", erzählt, vorher ganz schön nervös gewesen zu sein, die Freude aber überwog.

"Die Freude war bei den Gästen riesig. Sie sind reingelaufen, haben geklatscht und haben sich gefreut und waren froh, dass das endlich mal wieder losgeht. Tanzen ohne Abstand, ohne Maske. Er war ein tolles Gefühl!"
Rene Minner, Klubbetreiber in Ravensburg

Hauptspielregel: Testen vor und nach dem Klubbesuch

Die Bilder dürften einige irritieren. Es geht aber nicht nur um Spaß haben, sondern das Ganze wird wissenschaftlich begleitet. Zum einen müsse man sich vorher testen, erklärt Deutschlandfunk Nova-Reporter Johannes Döbbelt. Zum anderen gebe es auch danach einen Test und zwar fünf Tage nach dem Klubbesuch.

In fast allen Bundesländern dürfen Klubs wieder öffnen

Was in Ravensburg erlaubt ist, soll zumindest in abgeschwächter Form ab dem zweiten Juliwochenende auch in anderen Bundesländern möglich sein: Denn nach und nach sollen alle Klubs wieder öffnen - außer in Bayern.

"Wie bei den übrigen Einlassbeschränkungen auch gilt in den meisten Bundesländern in Klubs eine Testpflicht, außer man ist genesen oder doppelt geimpft."
Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk Nova-Reporter

In Berlin ist das Tanzen nur im Freien erlaubt, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg erlauben das auch drinnen. In NRW gilt im Klub nicht einmal mehr eine Maskenpflicht, genauso handhabt es Sachsen. In Niedersachsen und Berlin wiederum soll mit Maske getanzt werden.

Darüber hinaus ist die Auslastung der Klubs ein großes Thema. So darf zum Beispiel in Sachsen-Anhalt ein Klub nur zu 60 Prozent gefüllt sein. In Brandenburg und Baden-Württemberg geht es nach der Größe des Klubs: Pro zehn Quadratmeter ist nicht mehr als ein Gast erlaubt.

"Für die meisten Klubs in Baden-Württemberg bedeutet diese Auslastungsregel, dass insgesamt nur zehn bis 20 Leute in einen Klub dürfen. Das kritisieren die Klubbetreiber natürlich."
Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk Nova-Reporter

Im Vergleich dazu geht beim Modellprojekt in Ravensburg natürlich mehr. Über 350 Menschen feierten da allein am Freitag nebeneinander.

Voraussetzung, dass die beiden Klubs geöffnet bleiben dürfen, ist allerdings, dass die Partygäste wirklich zum "Corona-Test danach" kommen. Damit sie das auch tun, müssen alle, die in den Klub wollen, ein "Testpfand" von 30 Euro zahlen. Das Geld bekommen sie nach dem Test zurück.

Laut Rene Mina ist die Testquote bisher sehr gut. 96 Prozent der Besucher hätten sich nach dem Klubbesuch testen lassen. Auch das dürfte den Klubbetreiber freuen, damit er die Türen seine "Kantine" tatsächlich bis zum 24. Juli für so viele Gäste öffnen darf. Denn genau so lange läuft das Modellprojekt.