Trotz harter Lockdowns und Massentests steigen in China die Infektionszahlen derzeit rasant. Die Behörden greifen mit bereits bekannten harten Maßnahmen durch. Korrespondentin Eva Lamby-Schmitt berichtet von der Lage vor Ort.
Landesweit zählt China zwar nur 5.000 registrierte Coronafälle auf 1,4 Milliarden Einwohner (Stand: 15.03.2022), dennoch schlagen die Behörden Alarm und greifen mit strikten Maßnahmen durch. Denn: Noch vor wenigen Tagen waren es noch wenige Hunderte Fälle.
"China hält an seiner Null-Covid-Strategie fest, doch die Infektionszahlen entfernen sich derzeit immer weiter weg von dieser Null."
Eva Lamby-Schmitt, ARD-Korrespondentin in Shanghai

Shanghai riegelt nur Teile der Stadt ab

ARD-Korrespondentin Eva Lamby-Schmitt berichtet, dass in vielen Millionenstädten bereits wieder Massentestungen stattfinden oder harte Lockdowns verhängt wurden, unter denen die Menschen das Haus nicht verlassen dürfen und teilweise in Isolationseinrichtungen gebracht werden.

Die Technologiestadt Shezhen mit 17,5 Millionen Einwohnern etwa befindet sich wieder im kompletten Lockdown, sowie auch die Stadt Changchun mit neun Millionen Einwohnern.

"Das Narrativ in den chinesischen Staatsmedien ist, dass China das Virus sehr erfolgreich bekämpft und dass dies im Ausland gar nicht funktionieren würde."
Eva Lamby-Schmitt, ARD-Korrespondentin in Shanghai

In Shanghai sieht die Lage etwas anders aus: Statt eines kompletten Lockdowns wurden einzelne Wohnblocks mit mehreren Hochhäusern oder auch einzelne Bürogebäude abgeriegelt.

"Insgesamt habe ich den Eindruck, dass die Maßnahmen etwas dynamischer und gezielter geworden sind."
Eva Lamby-Schmitt, ARD-Korrespondentin in Shanghai

Trotzdem findet unsere Korrespondentin, dass die Maßnahmen etwas dynamischer geworden sind. Das lässt sich daran erkennen, dass die meisten Städte nicht schon bei Einzelfällen komplett abgeriegelt werden, so wie es in der Vergangenheit der Fall war.

Stattdessen warten die Behörden länger ab und riegeln gezielt durch Kontaktverfolgung nur Teile der Städte ab. Der Rest der Bevölkerung kann ihrem gewohnten Alltag nachgehen.

China hofft auf eigenen mRNA-Impfstoff

Trotz der strengen Maßnahmen und das Reagieren auf schon wenige Fälle, steigen die Infektionszahlen. China setzt alles daran, vor der Bevölkerung das Gesicht zu wahren, meint unsere Korrespondentin.

Auch deshalb hofft China darauf, schnellstmöglich einen eigenen mRNA-Impfstoff entwickeln zu können. Das Land hatte im Februar dem Corona-Medikament von Pfizer eine Teilzulassung erteilt. Viele Experten hätten dies als Zeichen bewertet, dass China künftig auch Impfstoffe aus dem Ausland zulassen könnte, doch das ist bisher nicht der Fall

Der erneute Anstieg der Infektionszahlen könnte Chinas Wirtschaft schaden, sagt Eva Lamby-Schmitt. Auch viele der in China ansässigen deutschen Unternehmen bangen in diesen Tagen. Viele Fabriken und Bürogebäude wurden bereits abgeriegelt.

Unsere Korrespondentin meint: Zwar könne sich die Lage auf die Lieferketten und die deutsche Wirtschaft auswirken, trotzdem bewerten viele Experten die Lage besser als zu Anfang der Pandemie.