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Egal ob Urlaub, neue Klamotten oder Spielkonsole: Manchmal haben wir ein schlechtes Gewissen, wenn wir Geld ausgeben. Elias kennt das, obwohl er gut verdient. Wir klären mit Experten, was unseren Umgang mit Geld beeinflusst.

Elias ist seit zwei Jahren mit dem Studium fertig. Er arbeitet als Sozialarbeiter in Vollzeit und verdient nach Tarifvertrag rund 2.800 Euro netto. Trotzdem hat er eigentlich nur eine Sache, für die er gern Geld ausgibt: den Kaffee nach der Arbeit. Und selbst da sagt er: "Ich glaube, wenn man das zu oft macht, dann läppert sich das auch ganz schön."

"Ich glaube, die teuerste Sache, in die ich investiert habe, war vielleicht mal ein Tattoo. Aber ich habe keinen Hang zu krasser Technik oder brauche nicht ständig teure Klamotten."
Elias, verdient gut und hat trotzdem ein schlechtes Gewissen, wenn er sich etwas gönnt

Eine Sache, für die er zuletzt mal eine etwas größere Summe ausgegeben hat, war ein Tattoo, sagt Elias. Die Gefühle, die er dabei hatte, waren gemischt: "Das war so ein Wechselbad der Gefühle. Ich habe was davon. Ich sehe das ja auch jeden Tag und das ist wie Schmuck quasi. Aber ich glaube, der Preis, den ich dafür bezahlt habe, habe ich so als notwendiges Übel betrachtet."

Kleinere Ausgaben, wie der Kaffee nach der Arbeit oder der Clubbesuch am Wochenende, sind okay für ihn. Bei größeren Investitionen tut er sich immer noch etwas schwer, auch wenn das Geld eigentlich da ist.

"Ich glaube, das ist so ein bisschen Sozialisierung."
Elias, verdient gut und hat trotzdem ein schlechtes Gewissen, wenn er sich etwas gönnt

Er erklärt sich seinen Umgang mit Geld dadurch, wie er sozialisiert wurde: "Ich bin definitiv nicht arm aufgewachsen. Ich hatte alles, was ich brauchte, aber trotzdem hat mein Dad zum Beispiel sehr hart für sein Geld gearbeitet oder tut es immer noch." Außerdem blickt er etwas skeptisch auf die Zukunft. "Meine Branche ist ja immer wieder durch Kürzungszwänge betroffen. Da ist auch ein bisschen die Sorge, dass ich das in Zukunft mal brauche, wenn ich darauf angewiesen bin", sagt Elias.

Wie die Erziehung unseren Umgang mit Geld prägt

Sophia Chabursky ist wissenschaftliche Referentin am Deutschen Jugendinstitut. Sie beschäftigt sich dort mit der aktuellen Forschung zu Gelderziehung und Taschengeld. Es habe einen großen Einfluss, wie die Familie mit Geld umgeht. "Zum einen lernen Kinder am Modell. Das heißt, sie beobachten, wie ihre Eltern mit Geld umgehen, ob zum Beispiel ein Einkauf geplant wird, ob Preise verglichen werden, ob gespart wird, wie dann gespart wird, wie mit größeren Ausgaben umgegangen wird", sagt Sophia Chabursky.

Gleichzeitig spiele es auch eine Rolle, wie in der Familie über Geld gesprochen wird: Ob Geld beispielsweise mit Sorgen oder Konflikten verbunden ist. Und auch, ob offen und altersgemäß kommuniziert wird.

"Kinder lernen den Umgang mit Geld zunächst in der Familie."
Sophia Chabursky wissenschaftliche Referentin am Deutschen Jugendinstitut

Die Wissenschaftlerin sagt, es sei jedoch ebenso wichtig, welche eigenen Erfahrungen Kinder im Umgang mit Geld sammeln können, zum Beispiel durch ein eigenes Taschengeld. "Wir sehen auch aus einzelnen Studien, dass gerade die eigenen ersten Erfahrungen sehr bedeutsam sind für das spätere Erwachsenenleben, ob man sich kompetent fühlt und ob man das Gefühl hat, man kann überhaupt mit Geld umgehen", sagt sie.

Umgang mit Geld ist oft an Gefühle und Glaubenssätze geknüpft

Der Finanzbildungsexperte Goran Maric arbeitet bei Three Coins, einem Sozialunternehmen aus Österreich. Er sagt, die wenigsten von uns denken bei Geld an irgendwelche Tabellen oder Zahlen, sondern verbinden Geld mit Gefühlen – sowohl beim Verdienen als auch beim Ausgeben. Wenn wir uns damit beschäftigen, wie wir mit Geld umgehen, liege bei diesen Gefühlen eine entscheidende Schaltstelle.

"Wenn ich weit mehr ausgebe, als ich eigentlich habe oder einnehme – das löst automatisch ein schlechtes Gewissen aus."
Goran Maric, Finanzbildungsexperte

Für ein schlechtes Gewissen, wenn wir Geld ausgeben, hat er mehrere Erklärungsansätze. "Wenn ich mein Geld nicht im Griff habe. Das löst automatisch ein schlechtes Gewissen aus", sagt er. Also wenn wir mehr ausgeben, als wir einnehmen. Das habe allerdings nichts mit Glaubenssätzen zu tun, sondern schlicht mit guter Planung und einem nüchternen Blick auf die Zahlen.

Dann gebe es aber durchaus auch eine emotionale Ebene, auf der ein schlechtes Gewissen entstehen kann. Und das kann verschiedene Ursachen haben. Geben wir unser Geld immer für dieselben Sachen aus? Oder haben wir aus Umweltgründen ein schlechtes Gewissen, weil das, was wir kaufen, nicht nachhaltig ist? "Dadurch, dass man das nicht pauschal beantworten kann, ist hier vor allem die Frage: Woher kommt das und wie ist das eigentlich zu dem Punkt gekommen, dass es bei mir ein schlechtes Gewissen ausgelöst hat?", sagt Goran Maric.

"Das kann man sich wie so einen kleinen Persönlichkeitstest vorstellen, bei dem es dann mehrere Typen von Persönlichkeiten gibt – und das Gleiche ist auch im Umgang mit Geld."
Goran Maric, Finanzbildungsexperte

Er sagt, was den Umgang mit Geld angehe, da ticken wir alle sehr unterschiedlich. Manche wollen genau wissen, wo sie jeden Cent ausgeben. Andere nicht. Der Finanzbildungsexperte rät, sich einmal im Monat oder im Quartal hinzusetzen und sich mit den eigenen Finanzen zu beschäftigen, um einen Überblick zu behalten. "Und ich gehe einfach mal durch und schaue mir an, wofür habe ich mein Geld eigentlich ausgegeben?", sagt er.

Goran Maric empfiehlt, die Ausgaben in folgende drei Kategorien einzuteilen:

  1. Brauchen: Das sind Dinge, die wir zum Leben brauchen, etwa Miete, Strom und Lebensmittel.
  2. Wollen: Das sind Dinge, die wir nicht unbedingt zum Leben brauchen, die uns aber Freude machen.
  3. Müssen: Hier sind wir vertraglich an Zahlungen gebunden. Heißt, wenn wir sie nicht bezahlen, bekommen wir unter Umständen Probleme. Dazu zählen etwa der Handyvertrag oder das Streaming-Abo.
"Ich garantiere, wenn man sich diese Zeit genommen und sich einen Überblick verschafft hat, dann fühlt man sich danach besser."
Goran Maric, Finanzbildungsexperte

Wenn wir uns mal etwas gönnen und anschließend ein schlechtes Gewissen haben, dann sollten wir es – vor allem wenn wir es uns leisten können – nicht zu schwer nehmen. "Da hilft es in meinen Augen am meisten, voll okay damit zu sein, dass man ab und zu auch Fehler macht. Und gerade wenn ich eine Entscheidung getroffen habe, die vielleicht keine langfristigen negativen Auswirkungen hat, da tut das vielleicht im Moment weh und ich ärgere mich darüber. Aber es ist definitiv kein Weltuntergang", sagt Goran Maric. Denn auch beim Geldausgeben können wir aus Fehlern lernen.

Sollten diese Fehler jedoch oft wiederholen, so der Finanzbildungsexperte, "dann lohnt es sich doppelt, sich zu überlegen oder anzusehen: Woher kommt das schlechte Gewissen und was will ich denn eigentlich ändern?"

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Shownotes
Trotz vollem Gehalt
Wie gönnen wir uns ohne schlechtes Gewissen
vom 21. Oktober 2026
Gesprächspartner: 
Elias, arbeitet Vollzeit und verdient gut, hat trotzdem schlechtes Gewissen, wenn er sich etwas gönnt
Gesprächspartnerin: 
Sophia Chabursky, wissenschaftliche Referentin am Deutschen Jugendinstitut, fasst die aktuelle Forschung zu Gelderziehung und Taschengeld zusammen
Gesprächspartner: 
Goran Maric, Finanzbildungsexperte bei Three Coins, einem Sozialunternehmen aus Österreich
Host und Autor: 
Przemek Żuk
Redaktion: 
Anton Stanislawski, Friederike Seeger, Stefan Krombach
Produktion: 
Philipp Adelmann
Quellen: