Er sei das personifizierte Böse. Aussagen wie diese und ähnliche Videobotschaften verbreitet gerade die Organisation "The Lincoln Project" in den Sozialen Medien über US-Präsident Donald Trump. Hinter der Gruppe stehen aktive und ehemalige Mitglieder der Republikanischen Partei.

"The Lincoln Project" gilt als aktuell populärste und einflussreichste Initiative unter Republikanern. Ihr Ziel ist es, eine Wiederwahl Trumps zu verhindern.

Denn laut der Köpfe der Organisation gebe es im wesentlichen zwei Gründe, die gegen eine zweite Amtszeit des derzeitigen US-Präsidenten sprechen: Trump selbst und sein Einfluss auf die Republikanische Partei.

Narzisstisch und imageschädigend

Nach Ansicht des Lincoln Projects sei Donald Trump ausschließlich auf sich selbst fokussiert und umgebe sich mit zweifelhaften Personen, die seinen Plänen unreflektiert zustimmen würden. Dadurch beschädige er die Demokratie und in der Konsequenz die USA, erklärt Deutschlandfunk-Politikredakteurin Doris Simon.

"Trump macht aus Sicht der Leute von "The Lincoln Project" Amerika kaputt."
Deutschlandfunk-Politikredakteurin Doris Simon

Vielmehr breche er mit ur-republikanischen Grundsätzen wie der Freihandelspolitik oder traditionellen Verbündeten der USA wie den EU-Staaten, so die Trump-Gegner, stattdessen suche er eine zu große Nähe zu Machthabern wie Kim Jong-un oder Wladimir Putin.

Zudem kritisieren sie Trumps Haltung in der Corona-Pandemie wie seinen für bedeutungslos erklärenden Standpunkt von wissenschaftlichen Fakten und Erkenntnissen.

Republikanische Wähler gegen den republikanischen Präsidenten

Mit den Videobotschaften möchte die Organisation "The Lincoln Project" Wählerinnen und Wähler der republikanischen Partei dazu ermächtigen, bei der kommenden Wahl für Joe Biden und damit die Demokraten zu stimmen. "Der republikanische Wahlkampfstratege Mike Murphy hat das so zusammengefasst: 'Ihr müsst ihnen ja nicht kaufen, den Biden, ihr müsst ihn euch sozusagen nur einmal ausleihen und einmal für ihn stimmen'", sagt Doris Simon.

Eine Erlaubnis zum Nein

Die Idee der Trump-Gegner: Ursprüngliche Anhängerinnen und Anhänger von Donald Trump ausfindig machen, die in den vergangenen vier Jahren Zweifel an Trump gehegt haben. Auf sie zielen die hundertfachen Videos in den sozialen Netzwerken ab.

Denn: Statt prominenter Parteimitglieder erklären teilweise bekannte Ex-Trump-Wähler, warum sie in diesem Jahr gegen ihn stimmen. Durch sie sollen zweifelnde Wählerinnen und Wähler einen niederschwelligen Zugang zu der Botschaft der Organisation bekommen.

"Diese Clips, die sollen so etwas wie eine Erlaubnis sein für all diejenigen, die zweifeln, ob Trump wirklich der Richtige ist. Nach dem Motto: Es ist okay, Biden zu wählen."
Deutschlandfunk-Politikredakteurin Doris Simon

Und die Strategie der Trump-Gegner scheint zu aufzugehen, beobachtet Doris Simon. Auch wenn die Aussagen der Videos teilweise sehr drastisch seien. "So hart geht sonst nur die Trump-Kampagne vor, aber nicht die demokratische Kampagne", sagt sie. Das liege unter anderem an den Köpfen hinter dem Konzept.

Protest von Wahlkampfstrategen

Unter den Mitgliedern von "The Lincoln Project" finden sich einige Wahlkampfstrategen wie zum Beispiel Reed Galen, der Wahlkampagnen von George W. Bush, Arnold Schwarzenegger oder John McCain geleitet hat. Oder auch Stuart Stevens, der als Wahlkampfstratege unter anderem für George Bush Senior gearbeitet hat und Trump in den Medien regelmäßig angreift.

Zu den Gründern der Organisation zählen zudem Jennifer Horn, die bis 2017 Vorsitzende der Republikaner in New Hampshire war, und nicht zuletzt auch der Anwalt George Conway – Ehemann von Kellyanne Conway. Er sticht besonders hervor, denn Kellyanne Conway gehörte zu den engsten Vertrauten Trumps, bis sie am 24. August 2020 ankündigte, ihre Arbeit als Beraterin von Donald Trump Ende August aus familiären Gründen niederzulegen. Anders als seine Ehefrau gehörte George Conway schon zu Beginn der Amtszeit von Donald Trump zu seinen stärksten Kritikern.