Die Lage in der Türkei ist nach dem gescheiterten Putschversuch äußerst angespannt. Mitten in dieser Situation hat Wikileaks mehr als 300.000 Emails der türkischen Regierungspartei AKP geleakt. Welche Informationen stehen darin? Gibt es vielleicht sogar Hinweise auf eine Inszenierung des Putsches durch die Regierung?

Die türkische Regierung geht nach dem gescheiterten Putsch weiter mit aller Härte gegen sogenannte Staatsfeinde vor. Noch immer kommt es zu Entlassungen und Suspendierungen. Für Erdogan steckt sein einstiger Mitstreiter Fethullah Gülen hinter dem Putschversuch. Gülen hingegen kontert mit der Gegenthese, Erdogan habe den Putsch möglicherweise selbst inszeniert.

Sollte es in den über 300.000 Mails der türkischen Regierungspartei AKP, die jetzt von Wikileaks veröffentlicht wurden, irgendwelche Hinweise darüber geben, wäre das eine absolute Sensation. Unser Netzreporter Michael Gessat ist da in einer ersten Einschätzung jedoch zurückhaltend:

"Die Emails stammen vom Hauptaccount der AKP. Und dieser Account wird vorwiegend für die Außenkommunikation verwendet, nicht für interne Kommunikation über womöglich heikle Angelegenheiten.“
Michael Gessat, Netzreporter

Ein erster Schnellcheck unseres Netzreporters zeigt zum Beispiel: Offenbar hat sich jemand in der AKP über die Armenienresolution durch den Bundestag und über den Fall Böhmermann aufgeregt. Ein Parteimitglied fragt, wie man damit am besten umgeht und dass man da etwa drauf achten muss, die Sache in der öffentlichen Wahrnehmung nicht noch schlimmer zu machen.

Folgen weitere Veröffentlichungen?

Woher Wikileaks die Daten hat und wer die Quelle ist, darüber gibt es von Wikileaks keine nähern Angaben. Die Whistleblower versichern aber, die Echtheit der Daten und die Quelle überprüft zu haben und die seien "in keiner Weise verbunden mit einer rivalisierenden türkischen Partei oder einem fremden Staat oder mit den Elementen hinter dem Putschversuch".

Denkbar ist, dass die Daten von einem privaten Hacker stammen, der eine Sicherheitslücke des AKP-Servers ausgenutzt hat. Die 300.000 Mails, die jetzt veröffentlicht wurden, stammen aus dem Zeitraum 2010 bis 2016. Sie sind mit Teil 1 betitelt, umfassen 762 Mailkonten, sortiert mit den Anfangsbuchstaben A bis I. Es ist also davon auszugehen, dass weitere Mails veröffentlicht werden.