In Köln wird am Sonntag eine Pro-Erdogan-Demo stattfinden. Thema: "Militärputsch in der Türkei". Außerdem sind vier Gegendemos angemeldet. Inzwischen läuft bereits die Diskussion über ein Demo-Verbot.

Angemeldet wurde die Demo von der UETD, der Union Europäisch-Türkischer Demokraten. Sie gilt als verlängerter Arm der Regierungspartei AKP. Es werden 15.000 Menschen zur Demo erwartet, in Polizeikreisen rechnet man mit bis zu 30.000 Demonstranten. Die vier Gegendemos werden unter anderem von "pro NRW" und den Jugendorganisationen von SPD, FDP, Grünen und Linkspartei organisiert. Zu den Gegendemos werden bis zu 2500 Demonstranten erwartet. 2000 Polizeibeamte sollen eingesetzt werden.

Gespaltene Community

Aydin Üstünel ist Türke. Er arbeitet als freier Journalist in Köln und lebt schon seit fast 25 Jahren in Deutschland. Eine Spaltung erlebt er in seinem privaten Familien- und Freundeskreis weniger, sagt er. Dort seien die Menschen eher kritisch gegenüber der Regierung eingestellt.

In den Social-Media-Kanälen lesen sich viele Äußerungen der Türkischstämmigen in Deutschland aber ganz anders. Die Spaltung der türkischen Community in Deutschland spürt Üstünel auch.

"Die Spaltung gab es schon vor dem Militärputsch – sie ist aber jetzt noch stärker geworden."
​Aydin Üstünel, Journalist aus Köln

Aus seiner Sicht ist der Grund dafür, dass so viele Türken Erdogan-Anhänger sind, ganz einfach.

Erdogan: Symbol für Stärke und Selbstbewusstsein

Viele Türken finden es gut, dass die Türkei wahrgenommen wird - Erdogan gilt als starker Führer, der genau dafür sorgt. Und noch mehr.

"Weil Erdogan der gewählte Präsident ist, ist er für viele Türken das Symbol der Demokratie und des Willens des Volkes."
​Aydin Üstünel

Erdogan ist für viele Türken in Deutschland ein Idol und wird verehrt, sagt Üstünel. Insofern kann er die Menschen, die auf die Demo gehen, auch verstehen, sagt er. Erdogans Zustimmungswerte waren in Deutschland vor dem Putsch noch höher (bei knapp unter 60 Prozent) als in der Türkei (52 Prozent).

"Beim Putsch vereinte Erdogan die Menschen und zeigte Stärke. Das beeindruckt die Türken in Deutschland."
​Aydin Üstünel

Auch, dass Erdogan die Türken in Deutschland oft besucht hat, spiele eine Rolle.

"Er hat die Menschen umarmt und ihnen das Gefühl gegeben: Ich kümmere mich um euch, wenn ihr Sorgen habt!"
​Aydin Üstünel

Die Leute hätten sich angenommen gefühlt. Erdogan habe ihnen das Gefühl gegeben: Ihr seid nicht verloren. Hier hätten die deutschen Medien und die deutschen Politiker einiges versäumt, sagt Üstünel.

Demo-Verbot?

Mit Bezug auf die angekündigte Demonstration in Köln finden manche Politiker deutliche Worte.

"Türkische Innenpolitik hat auf deutschem Boden nichts zu suchen"
Andreas Scheuer, CSU-Generalsekretär

Aydin Üstünel hält das für "etwas daneben". Er ist dafür, dass die Türken in Deutschland hier auch über die Zustände in der Türkei debattieren können - schließlich würden hier nun mal viele Türken leben. Solange die Demos auf dem Boden der Verfassung bleiben und ohne Gewalt ablaufen, sei das in Ordnung.

"In Deutschland wird für alles Mögliche demonstriert. Solche Demos müsste unsere Demokratie ertragen können."
​Aydin Üstünel