Für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan ist klar: Die Terrormiliz IS steckt hinter den Anschlägen von Istanbul. Die Türkei hat ihre Strategie geändert und geht gegen den IS vor.

Der Feind eines Feindes ist nicht immer ein Freund. Diese Erkenntnis setzt sich nach den Anschlägen von Istanbul, Ankara und Suruc offenbar auch in der türkischen Politik durch. Kurze Zeit nach dem Selbstmordattentat vom Dienstag (12.01.2016), bei dem zehn deutsche Touristen starben, legte sich Präsident Erdoğan fest: Die Terrormiliz IS ist für das Selbstmordattentat verantwortlich.

Ein völlig neues Feindbild für die türkische Regierung

Das ist eine neue Strategie, erklärt Korrespondent Thomas Bormann. Vor ein bis zwei Jahren habe sich die Türkei in etwa so verhalten als würde sie denken: "Naja, diese Typen vom IS, die sind vielleicht ein bisschen hart, aber sie kämpfen gegen den Diktator Assad, sie kämpfen gegen die PKK, sie kämpfen gegen unsere Feinde, deshalb lassen wir sie mal gewähren. Das ist der türkischen Regierung aus dem Ruder gelaufen."

"Für Erdoğan sind alle Terroristen gleich. Egal ob es die PKK oder der IS sei."
Thomas Bormann, Korrespondent

Vor allem der Terroranschlag von Ankara im Oktober 2015 war für die türkische Regierung ein Wendepunkt: 102 Menschen starben durch zwei Selbstmordattentate, die dem IS zugeschrieben werden. "Danach hat die türkische Regierung gesagt: So, es reicht. Jetzt öffnen wir unseren Luftwaffenstützpunkt für amerikanische Flugzeugangriffe auf IS-Stellungen", sagt Thomas Bormann. Vereinzelt haben auch türkische Flugzeuge den IS angegriffen. Allerdings konzentriere sich die Armee auf den Kampf gegen die PKK.

Anti-IS-Razzien sind mittlerweile normal

Offenbar geht die Türkei auch mehr gegen den Schmuggel über die türkisch-syrische Grenze vor. "Wenn der Waffenschmuggel noch funktioniert, dann an den türkischen Behörden vorbei", sagt Thomas Bormann. "Die Türken rühmen sich für die vielen Festnahmen an der Grenze. Die türkische Regierung hat 35.000 Personen in ihren Computern, die festgenommen werden, sobald sie über die Grenze gehen." Razzien seien mittlerweile normal, die türkische Regierung nehme die Bedrohung durch den IS ernst, erklärt Thomas Bormann. Bei einer dieser Razzien sollen in Anatolien "Fabriken" zur Herstellung von Sprengstoffwesten entdeckt worden sein.