Twitter stoppt politische Werbung. Das kündigte Twitter-Chef Jack Dorsey an und sagt: Reichweite mit politischen Botschaften müsse verdient statt gekauft werden.

Kaum hatte Jack Dorsey die Entscheidung von Twitter, politische Werbung auf seiner Plattform zu stoppen, getwittert, ging sie viral. Das Tweet wurde inzwischen rund 90.000 Mal geteilt. Dorsey schrieb: "Wir haben entschieden, politische Werbung auf Twitter weltweit zu stoppen". Die neue Regelung soll ab dem 22. November gelten. "Wie ganau das ablaufen wird, das erfahren wir alles noch", erläutert unser Netzreporter Konstantin Köhler.

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Twitter-Chef: Politische Werbung kann Falschinformationen verbreiten

Dorsey argumentiert, dass eine politische Botschaft dann Verbreitung finden sollte, wenn Menschen sie teilen oder den Absender abonnieren, und nicht, weil dafür bezahlt wird. In einem weiteren Post schreibt er, dass politische Werbung Falschinformationen verbreiten könne, und zwar sehr gezielt. Damit spricht er natürlich auf die Erfahrungen aus den letzten Wahlkämpfen in den USA an, meint Konstantin.

"Es geht dabei um bezahlte Posts, also um Werbung, die jemand bezahlt. Und dafür wird sein Post an ganz vielen Stellen bei Twitter ausgespielt, auch bei Leuten, die diesen Kanal nicht abonniert haben."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk Nova

Aus Dorseys Sicht sei es nicht glaubwürdig, wenn Twitter sich einerseits gegen Falschinformationen einsetze, es aber andererseits bezahlte Werbeinhalte akzeptiere.

Zuspruch und Kritik für Twitter

Die Entscheidung erntete viel Zuspruch: Lob kam unter anderem von Hillary Clinton und der demokratischen Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez.

Kritik kam unter anderem von Brad Parscale, dem Wahlkampfleiter Donald Trumps. Er meint, dies sei "ein weiterer Versuch, Konservative zum Schweigen zu bringen", da Twitter wüsste, dass Trump die ausgefeilteste Online- und Social-Media-Strategie habe.

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Twitter grenzt sich von Facebook ab

Durch den Schritt grenzt sich Twitter nun deutlich von Facebook ab, das häufig dafür kritisiert wird, zu wenig Einfluss bei Anzeigen zu nehmen. Facebook prüft politische Inhalte bei Anzeigen nicht und macht keine Faktenchecks. Mark Zuckerberg erklärte dazu, er ginge davon aus, dass die Menschen nicht in einer Welt leben wollten, in der man nur posten kann, was vorher zu 100 Prozent überprüft wurde.

"Bei Facebook gilt nicht nur 'politische Werbung ist erlaubt', sondern auch 'politische Werbung darf alles, wir machen keine Faktenchecks'."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk Nova

Die Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez hat Mark Zuckerberg vor einer Woche in einer Anhörung gefragt: Dürfte ich eine Anzeige bei Facebook schalten, die behauptet, dass die Republikaner für mehr Klimaschutz gestimmt haben? Dabei geriet Mark Zuckerberg ins Stocken und sagte: Wahrscheinlich.

Warum nicht Politiker in die Verantwortung nehmen?

Ob ein Verbot von politischen Anzeigen oder politischer Werbung bei Facebook ebenfalls Sinn machen würde? Unser Netzreporter ist da unentschlossen. Auf der einen Seite gebe es viele in den USA, die genau das fordern. Auf der anderen Seite müsse man aber viel dringender die Frage stellen, warum ausgerechnet diejenigen Konsequenzen ziehen sollen, die faktisch am Ende der Problemlösungskette stehen.

Viel sinnvoller sei es, meint Konstantin, Politiker in die Verantwortung zu nehmen, und von ihnen zu fordern, keine Lügen zu verbreiten und sachlich zu bleiben.

"Dass sich Twitter gezwungen fühlt, politische Werbung zu verbieten, mit der Begründung, die würde Falschinformationen verbreiten, ist ja eigentlich reine Schadensbegrenzung – und eigentlich völlig absurd."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk Nova