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Übergewicht gehört weltweit für mehr Menschen zum Alltag als Hunger. Die Gründe dafür sind vielfältig, erklärt der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Jan Malte Bumb, in seinem Vortrag. Was helfen kann: Mehr Bewusstsein beim Thema Essen.

Während wir vor dem Computer sitzen, schreiben wir gleichzeitig am Handy mit Freunden und greifen gedankenlos in die Chipstüte, die neben uns liegt. Multitasking können wir.

Auf das Sättigungsgefühl achten wir dabei jedoch weniger. Im Gegenteil: Wir snacken und knabbern immer weiter. Warum? Wir möchten uns belohnen, erklärt Jan Malte Bumb, zum Beispiel nach einem stressigen Tag. Er ist Oberarzt an der Klinik für abhängiges Verhalten und Suchtmedizin in Mannheim und forscht als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Und das machen wir eben mit Junkfood, wie etwa mit der Tüte Chips. Jan Malte Bumb nennt sie "energiereiche Nährstoffe".

Natürliche Sättigung vs. Belohnung

Auf der anderen Seite ist da die Lebensmittelindustrie, die Inhaltsstoffe in Lebensmitteln so geschickt anpasst, dass unser Verlangen danach noch größer wird.

Hinzu kommt: Lebensmittel sind heute ständig verfügbar. Ein Gang zum Supermarkt und wir stehen vor vollen Regalen. Anders als noch unsere Großeltern müssen wir für unser Essen nicht ein Feld bestellen, um die dringend notwendige Ernte für unsere Familien einzufahren.

"Um mein Mittagessen zu bekommen, muss ich nicht mehr einen Säbelzahntiger jagen, sondern das Mittagessen kommt zu mir."
Jan Malte Bumb, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Oberarzt an der Klinik für abhängiges Verhalten und Suchtmedizin in Mannheim

Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie ist die Bestellung über den – oft kostenlosen – Lieferdienst der Supermarktkette oder des Restaurants verführerisch einfach. Möchten wir etwas essen, brauchen wir dann nur noch die Haustür öffnen. Schon können wir in die Pizza beißen.

Die Zahl der Übergewichtigen steigt

Forschende hingegen sind alarmiert. 2014 zählte die Hälfte der Deutschen als übergewichtig: 44 Prozent der Frauen und 60 Prozent der Männer. Bis zu ihrer nächsten Studie im Jahr 2025 rechnen die Forschenden mit einem weiteren Anstieg.

Dazu tragen auch Sätze wie "Iss deinen Teller auf, dann wird das Wetter morgen schön" ihren Teil bei. Für Kinder sind die Folgen fatal: Ihr natürliches Sättigungsgefühl wird durch Erziehungsmethoden wie diese zerstört. Die Spätfolgen belasten nicht nur die Einzelperson – auch die Gemeinschaft und Krankenkassen.

Jan Malte Bumb ist Oberarzt an der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin in Mannheim. Bumb forscht und lehrt als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Seinen Vortrag "Machen Chips & Co. wirklich süchtig?" hat er im September 2020 auf der "Akademiewoche Psyche" der Mannheimer Abendakademie in Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit gehalten.