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Der Gletscher-Eiswurm gibt Forschenden viele Rätsel auf: Er lebt in Gletschern und fühlt sich da pudelwohl, weil er körpereigenes Frostschutzmittel produzieren kann. Die Nasa erforscht ihn, um herauszufinden, wie möglicherweise außerirdisches Leben auf unwirtlichen Himmelskörpern entstehen kann.

Gletscher-Eiswürmer sind sehr hitze- und lichtempfindlich. Und das, obwohl ihre Haut viel Melanin enthält. Melanin ist das Pigment, das auch uns Menschen vor UV-Strahlung schützt.

Epitheton solifugus: "Vor der Sonne flüchtend"

Weil sie so lichtempfindlich sind, ziehen sich die Würmer, die rund 15 Millimeter groß werden, tagsüber unter die Schneeoberfläche des Gletschereises zurück und kommen erst in den Abend- und Nachtstunden an die Oberfläche. Manchmal graben sie sich nur wenige Zentimeter, manchmal aber auch mehrere Meter tief ein.

Darauf weist auch der wissenschaftliche Name der Gletscher-Eiswurm-Art Epitheton solifugus hin. "Solifugus" bedeutet "vor der Sonne flüchtend".

Die Tiere kommen ausschließlich in den Gletschern Nordamerikas vor, genauer gesagt in Alaska, British Columbia und den US-Staaten Washington und Oregon.

Ein Mann hält ein Stück Eis mit einem Eiswurm darauf in seinen Händen.
© imago | ZUMA Wire
Viel Melanin in der Haut schützt diesen kleinen Eiswurm vor der Sonne. Die Eiswürmer flüchten in tiefere Eisschichten, wenn die Sonneneinstrahlung zu stark ist.

Körpereigenes Frostschutzmittel

Die Eiswürmer können im Gletscher überleben, weil sie eine Art körpereigenes Frostschutzmittel produzieren können, sogenannte Anti-Frost-Proteine. Auch andere Tiere, die in polaren Regionen leben, sind dazu in der Lage.

Diese Anti-Frost-Proteine lagern sich in den Körperzellen und im Blut der Eiswürmer an gerade entstehenden Eiskristallen an und hemmen deren Wachstum. Damit wird ein Einfrieren der Körperflüssigkeiten verhindert.

Warme Temperaturen bedeuten für den Eiswurm den Tod

US-Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Gletscher-Eiswürmer sich nur bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, wie sie eben in einem Gletscher herrschen, wohlfühlen.

Bei einigen Graden unter Null erfriert auch der Eiswurm. Bei Temperaturen über zehn Grad Celsius stirbt er an einem Hitzeschock. Und bei 20 Grad Celsius zerfallen die Eiswürmer regelrecht, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte Mario Ludwig.

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Im unwirtlichen Gletschereis können die Würmer nur überleben, weil sie sich von Schneealgen ernähren. Das sind mikroskopisch kleine Süßwasseralgen, die auf den ewigen Schneeflächen und auf den Gletscherflächen der polaren und alpinen Regionen der Erde vorkommen.

"Schneealgen grasen die Eiswürmer wie so eine Art 'Miniaturschafe' regelrecht ab."
Mario Ludwig, Biologe

Überleben mindestens ein Jahr ohne Nahrung

Allerdings können die Eiswürmer, das hat der Wissenschaftler Scott Hotaling von der Washington State University herausgefunden, offensichtlich auch ein Jahr oder länger ohne Nahrung auskommen.

Der Forscher konnte die Eiswürmer über ein Jahr lang problemlos in seinem Kühlschrank halten, ohne sie auch nur ein einziges Mal mit Nahrung zu versorgen.

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Außerirdisches Leben: Nasa hofft auf Erkenntnisse durch Eiswurm

Eiswürmer sind eine wichtige Futterquelle für alpine Vogelarten, wie etwa Ohrenlerchen, Schneeammern und Wasserpieper.

Neben diesen Vogelarten ist auch die Nasa, die US-amerikanische Weltraumbehörde, stark an Eiswurm-Arten interessiert.

Denn ein Wurm, der sich nur im ewigen Eis so richtig wohl fühlt und über ein Jahr lang hungern kann, könnte Hinweise darauf geben, wie außerirdisches Leben in unwirtlichen Umgebungen möglich ist. Dadurch wird zum Beispiel vorstellbar, dass extraterrestrisches Leben auf dem Saturnmond Europa existiert.