In New York konnte in einem Experiment gezeigt werden, wie leicht wir mit einer selbstgebauten Software, Andere per Gesichtserkennung überwachen können.

In ganz New York stehen Kameras herum. Wie leicht es ist, die für sich selbst zur Überwachung anderer Menschen zu nutzen, hat ein Programmierer der New York Times gezeigt. In nur drei Tagen hat er eine Software programmiert, mit der er Menschen, die er vorher ausgewählt hatte, überwachen konnte.

Überwachungskamera liefert Bildquelle

Das Bildmaterial, das er verwendet hat, ist im Netz frei verfügbar. Programmierer Sahil Chinoy hat sich eine Kamera ausgesucht, die im Bryant Park steht und den ganzen Tag über Bilder ins Netz streamt.

Die Kamera im Bryant Park in New York streamt den ganzen Tag Bilder ins Netz
Die Kamera im Bryant Park in New York streamt den ganzen Tag Bilder ins Netz

Die Aufnahmen des Livestreams, die sich jeder jeden Tag ansehen kann, hat Sahil Chinoy einen Tag lang gespeichert. Dann hat er nach Webseiten von Unternehmen in der Umgebung gesucht und Fotos sowie die Namen von Managern und Angestellten abgespeichert. Anschließend hat er sich bei Amazon einen Cloud-Computing-Account eingerichtet und die Daten dort hochgeladen.

Amazon-KI erkennt Gesichter

Die Idee: Amazons künstliche Intelligenz sollte Gesichter in den Webcam-Aufnahmen finden und dann mit den gesammelten Fotos von Angestellten vergleichen. Das einzurichten sei nicht besonders kompliziert, sagt Sahil Chinoy, der von sich selbst sagt, dass er ein durchschnittlicher Programmierer sei.

"Ich brauchte zwei oder drei Tage, um alles zum Laufen zu bringen, alles einzustellen, herauszufinden, wie die Kameras funktionierten und wie die Software funktioniert. Danach war es ziemlich reibungslos."
Sahil Chinoy, hat für die New York Times eine Überwachungssoftware selbst gebaut

Für die Gesichtserkennungssoftware – den Amazon-Service Recognition hat Sahil Chinoy 60 Euro investiert. Darüber hat er die Webcam-Aufnahmen aus dem Bryant Park eines Tages ausgewertet. Täglich sind dort tausende Leute unterwegs. An dem Tag, den Sahil Chinoy ausgewertet hat, hat die Software 2750 Mal ein Gesicht erkannt und ein paar Mal war sie sich ziemlich sicher, ein Gesicht aus der Foto-Datenbank erkannt zu haben. Einer davon war Richard Madonna.

Gesichtserkennungssoftware liefert Übereinstimmungen

Tatsächlich hat Sahil Chinoy den Mann, den die Software herausgefiltert hatte, angerufen. Er hat ihn gefragt, ob er an diesem Tag zu dieser Zeit im Bryant Park unterwegs war. Und er antwortete: Ja, er sei dort unterwegs zum Essen gewesen.

"Ich schickte ihm das Bild, das die Kamera aufgenommen hatte und er sagte: Ja, da gehe ich gerade zum Mittagessen. Das bin absolut ich."
Sahil Chinoy über das Telefonat mit Richard Madonna, der von der Software erkannt wurde

Das Experiment zeigt: Wenn wir vorhaben, bestimmte Menschen zu überwachen, haben wir alle Mittel dazu. Fotos von uns sind im Netz, Überwachungskameras gibt es auch und Erkennungssoftware ebenfalls. Man muss nur programmieren können – oder jemanden kennen, der es kann. Was Sahil Chinoy im Kleinen als Experiment gestartet hat, ist natürlich auch im Großen denkbar.

Experiment zeigt Möglichkeiten der Überwachung

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Thomas Reintjes nennt als Beispiel die Polizei in Lower Manhattan, die Zugriff auf rund 9000 Kameras habe. Wenn diese per Gesichtserkennung mit der Verbrecherkartei abgeglichen würden, ließen sich sicher einige Verdächtige ausfindig machen, sagt Thomas Reintjes. Das könne man als positiven Aspekt werten, wenn aber Fotos aus der Führerschein-Datenbank abgeglichen würden, könnte man die Überwachung schon kritischer sehen.

Zwar werde Datenschutz in den USA generell eher locker gehandhabt, sagt Thomas Reintjes. Trotzdem wollen inzwischen manche Gesichtserkennung komplett verbieten. Bisher gebe es keine Gesetze, die eine Überwachung, wie Sahil Chinoy sie ausprobiert hat, verbieten würden.