Schwermetalle wie Quecksilber oder Weichmacher: Sie hinterlassen ihre Spuren in unserem Körper. Seit 30 Jahren werden in Deutschland Blut- und Urinproben gesammelt, um die Belastung mit Schadstoffen zu überwachen.

Ein zugewucherter, unscheinbar wirkender Bunker im Münsterland enthält die größte Sammlung von Urin- und Blutproben weltweit. Von den frühen 80er Jahren bis heute wurden 350.000 Proben gesammelt. Vor 30 Jahren fasste die Bundesregierung den Entschluss, um die Schadstoffbelastung der Menschen hier in Deutschland zu überwachen. Benzinabgase, Plastikgegenstände und Zahnfüllungen - alles hinterlässt Spuren in uns. Die kontinuierliche Überwachung macht es möglich, Tendenzen abzulesen.

"10.000 bis 15.000 Proben decken die Probenmenge ab, die wir in einem Jahr gesammelt haben. Hier sind jetzt also von 2015 sowohl Plasmaproben, Urinproben als auch Blutproben junger Erwachsener enthalten, die eben das Jahr 2015 widerspiegeln."
Dominik Lermen, Leiter der Projektgruppe "Umweltprobenbank“

Das Verbot von bleihaltigem Benzin in den 80er Jahren hat dazu beigetragen, dass auch in den Blutproben weniger Blei enthalten ist. Die Schadstoffüberwacher interessieren sich zurzeit für die Spuren, die Weichmacher in uns hinterlassen. Die chemischen Verbindungen sind in Kinderspielzeug, in Lichtschaltern, in Lebensmittelverpackungen und in Plastikgegenständen enthalten - somit eigentlich überall. Wie gefährlich die Stoffe sind, ist noch nicht ausreichend erforscht. Auch dabei sollen diese Proben helfen.

"In den Tanks lagern ungefähr 300.000 bis 350.000 Proben, die eine Zeitreise bis in die frühen 80er Jahre erlauben.“
Dominik Lermen, Leiter der Projektgruppe "Umweltprobenbank“

Um eine Übersicht über die in uns enthaltenen Schadstoffe zu bekommen, werden an vier Orten in Deutschland einmal im Jahr Proben entnommen: in Halle, Greifswald, Ulm und Münster. Das Umweltbundesamt legt fest, wann eine Chemikalie untersucht werden soll. Aktuell wurden in keiner Probe gesundheitsbedenkliche Messwerte gefunden. Trotzdem sind die Proben wichtig: Wenn wir in zwei oder drei Jahrzehnten merken, dass eine bestimmte Substanz gefährlich ist, ermöglichen uns die Blutproben, zu wissen, wie stark wir damit früher belastet waren.