Nach dem Spiel gegen Italien sind alle froh, dass Deutschland jetzt im Halbfinale steht. Nur ARD-Experte Mehmet Scholl schimpft über die Trainer.

Anstatt sich über das gewonnene Spiel der deutschen Mannschaft zu freuen, lässt ARD-Experte Mehmet Scholl erstmal eine ordentliche Kritik vom Stapel. Ihn stört es, dass Trainer Joachim Löw in der Abwehr von einer Viererkette auf Dreierkette umgestellt hat. Und vor allem der Taktik-Chef Urs Siegenthaler bekommt sein Fett ab.

"Jogi Löw wacht nicht nachts auf und sagt: Jetzt hab ich's. Dreierkette, Dreierkette, Dreierkette! Das hätte man anders lösen können."
Mehmet Scholl, ARD Fußball-Experte

Experten sollten klar, pointiert reden können und obendrein auch wirkliches Expertenwissen mitbringen, sagt Philipp Köster. Der Chefredakteur der Fußballzeitschrift "11 Freunde" findet allerdings, dass die Fußball-Experten in der ARD und beim ZDF diesen Ansprüche nur in Teilen gerecht werden. Mehmet Scholls Äußerungen zum Trainerstab der deutschen Nationalmannschaft beurteilt Philipp Köster als nicht wirklich ausgearbeitet.

"Da hatte man das Gefühl, jetzt muss er mal Emotionen zeigen und was raushauen und für Schlagzeilen sorgen, aber da hätte er sich mal ein bisschen besser vorbereiten sollen."
Philipp Köster, Chefredakteur von "11 Freunde"

Im deutschen Fernsehen wird im Vergleich zu den USA oder Engladn eher etwas gegeizt in Bezug auf den Einsatz von Experten. Dort gibt es ganze Expertenrunden mit Gästen, die sich mit kleinen Teilbereichen auskennen wie dem Torwartspiel oder den verschiedenen taktischen Systeme. Im deutschen Fernsehen hingegen reicht ein Experten aus, sagt Philipp Köster. Dessen Hauptfunktion bestehe darin, Gesprächspartner für den Moderator zu sein.

"In Deutschland ist es sehr häufig so, dass der Moderator Fragen stellt, auf die man nur mit Ja oder Nein antworten kann.“
Philipp Köster, Chefredakteur von "11 Freunde"

Keine Diskussion auf Augenhöhe, kein richtiger Streit, kein richtiges Duell - Philipp Köster findet die Experten im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen ein wenig ermüdend. Stellt sich die Frage: Brauchen wir den Experten überhaupt noch? Der Chefredakteur von "11 Freunde" findet: Ja.

Expertenblick und Einordnung

Bei Fehlentscheidungen auf dem Spielfeld oder genialen Schachzügen von Trainern ist es sinnvoll, wenn ein Experte vor Ort im Stadion zu haben, der die verschiedenen Spielabläufe beobachtet und in der Lage ist, uns zu erklären, was gerade passiert und wie es ins große Ganze einzuordnen ist.