Die EM ist vorbei und alle maulen: Das war eher so eine mittelmäßige Party. Ganz nett, aber nichts für die Ewigkeit. Woran liegt's?

Auf der Berliner Fanmeile ziehen die Wirte Bilanz: Weniger Besucher und Umsatz als noch bei der WM vor zwei Jahren. An der Stimmung im Stadion kann es nicht gelegen haben, dafür sorgten ja die Waliser, die (Nord-)Iren und natürlich die Isländer. Und auch die Leistung der deutschen Mannschaft war nicht übel: Bis zum Halbfinale hat es gereicht.

In Deutschland ist die EM-Party aber nicht wirklich in Gang gekommen. Auf der Suche nach einem Fazit kassierten wir Meinungen von "ein bisschen langweilig" über "eher verhalten" bis zu "kacke". Schuld an der fehlenden EM-Euphorie ist vermutlich ein Mix aus unterschiedlichen Umständen.

Ein bisschen Weltmeister-satt

Da "EM-Fatigue" kein anerkanntes Krankheitssyndrom ist, lassen sich die Gründe nur vermuten. Der Sportpsychologe Jens Kleinert weiß, was es braucht, damit ein Sport-Event mitreißt. Und an zwei Ecken könnte es dieses Mal gehapert haben: Fehlende Identifikation mit der Mannschaft und ein gedämpftes Nationalgefühl in Zeiten einer wachsenden extremen Rechten in Deutschland und Europa. Auch die Angst vor Anschlägen mischt sich hiermit hinein.

"Was man sicherlich braucht, ist eine unheimlich hohe Identität mit der Mannschaft einerseits sowie andererseits mit der Nation und dem Land, in dem man lebt. Das kann sein, dass das dieses Mal nicht so stark war."
Jens Kleinert, Sportpsychologe

Zum zweiten geht es auch darum: Was gibt es größeres als Weltmeister zu werden? Mit dem Titelgewinn lässt sich die EM nicht unbedingt messen. Andere meinen, bei der WM gebe es einfach die spannenderen Mannschaften, die aufregenderen Fußball spielen. Allen voran Brasilien.

"Wenn ich die zwei Ereignisse gegenüberstelle, WM und EM, dann ist die Weltmeisterschaft natürlich im Kopf der Menschen das bedeutsamere und auch globalere."
Jens Kleinert, Sportpsychologe

Oder ist das der Regen?

Denn wichtigsten Schuldigen wollen wir aber nicht auslassen: das Wetter. Aus dem WM-Warm-up in der Vorrunde wurde in den meisten Teilen Deutschland leider nichts. Statt Sommermärchen gab es erstmal nur Dauerregen.