Die Digitalisierung prägt schon längst unsere Arbeitswelt. Digitale Prozesse sollen auch dabei helfen, Arbeit zu reduzieren. Doch eine aktuelle Umfrage zeigt etwas anderes.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat eine Umfrage zwischen Januar und Juni 2022 durchführen lassen. An dem Report 2022: Digitale Transformation der Arbeitswelt haben rund 7000 zufällig ausgewählte abhängig Beschäftigte aus verschiedenen Unternehmen teilgenommen. "Selbstständige wurden nicht gefragt", sagt Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Konstantin Köhler.

Von den Befragten finden 40 Prozent, dass im Zuge der Digitalisierung die Arbeitsbelastung zugenommen hat. Nur 9 Prozent geben an, dass die Digitalisierung ihren Arbeitsalltag erleichtert. Mit anderen Worten: Die Digitalisierung hakt, die ja durch die Automatisierung die Arbeit und die Belastung für die Menschen reduzieren soll.

"Wenn ich meine Arbeit zum Beispiel nur mit dieser einen Software erledigen kann, die aber nicht läuft, ist das frustrierend."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Ein Haken sind zum Beispiel technische Störungen. Immerhin gaben 35 Prozent der Befragten an, dass ihre Arbeit oft oder sogar sehr oft von technischen Störungen unterbrochen wird. Das führe zu Verzögerungen, Mehrarbeit und vermutlich auch zu Ärger.

Digitalisierung muss durchdacht sein

Die Arbeitsbelastung kann dank Digitalisierung durchaus abnehmen, auch das zeigt die Umfrage des DGB. Doch das muss von den Unternehmen auch gewollt sein. Manche Firmen nutzen die Digitalisierung vor allem, um Output und Gewinne zu maximieren. "Vielleicht helfen die digitalen Prozesse dabei auch, aber vielleicht nur zum Teil – und den anderen Teil müssen die Beschäftigten dann einfach durch Mehrarbeit leisten", vermutet Konstantin.

Manche Firmen nehmen Digitalisierung auch nur als Notwendigkeit wahr, ohne dass die neuen digitalen Prozesse zu den Abläufen im Haus passen. Die Digitalisierung wird nicht richtig durchdacht, sondern irgendwie umgesetzt. Zum Beispiel könnte es passieren, dass irgendeine Software installiert wird, die aber für die spezifischen Bedingungen im Unternehmen eigentlich die falsche oder viel zu kompliziert ist.

Zu viele Störungen, zu hohe Komplexität

Erstaunlich ist, dass 70 Prozent der Befragten keinen Einfluss darauf haben, welche digitale Techniken an ihrem Arbeitsplatz eingesetzt werden. Diese Mitarbeiter*innen können bei der Umsetzung digitaler Prozesse nicht mitreden. Doch eine Software oder eine Maschinensteuerung muss sinnvoll den Arbeitsalltag abdecken. Mitarbeitende kennen die Abläufe.

"Über 70 Prozent geben an, sie könnten nur wenig oder keinen Einfluss darauf nehmen, wie digitale Techniken an ihrem Arbeitsplatz eingesetzt werden."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Neue digitale Entwicklungen führen häufig zu neuen und zusätzlichen Aufgaben und dadurch zu mehr Arbeitsbelastung. Ein gutes Beispiel dafür sind Autos: Früher ließ sich ein Pkw mehr oder weniger rein mechanisch reparieren. Mittlerweile müssen Kfz-Mechaniker*innen digitale Kenntnisse und auch die entsprechenden Geräte haben, sonst können sie noch nicht einmal Fehler aus der Auto-Elektronik herauslesen, – ganz abgesehen von der Reparatur.

Digitalisierung richtig eingesetzt

Aber Digitalisierung in der Arbeitswelt lässt sich durchaus sinnvoll umsetzen:

  • Vorab diejenigen fragen, die mit den digitalen Produkten und Prozessen jeden Tag arbeiten.
  • Reihenfolge bei der Digitalisierung beachten: Firmen sollten fragen, in welchen Bereichen digitale Prozesse sinnvoll sind und wie sich eine Digitalisierung konsequent umsetzen lässt.
  • Moderator:  Till Haase
  • Gesprächspartner:  Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter