Die eigenen Daten selbst zu sammeln und dann weiterzuverkaufen, ist die Idee eines Schweizer Start-ups. Pro: Für seine Daten erhält man einen Gegenwert. Contra: Sie finden noch mehr Verbreitung im Netz.

Wir liefern Daten und bekommen dafür Services wie ein Soziales Netzwerk, E-Mail-Funktion und Bilderspeicher. Das ist der Deal zwischen den Usern und Facebook, Google und Co. Wie wäre es denn nun, wenn wir die Daten nicht einfach ungefragt abgeben, sondern selbst die Kontrolle haben, an wen sie verkauft werden?

Bitsaboutme ist ein Schweizer Unternehmen, das genau das anbietet: Dort können wir Daten importieren, als Grafik visualisieren und auch verkaufen.

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Christoph Sterz hat sich angemeldet und beispielsweise die Daten seines Google- und Twitteraccounts importiert. Im Anschluss konnte er sich durch seine Daten klicken. Zu sehen ist zum Beispiel ein Zeitstrahl, der zeigt, an welchem Tag und zu welcher Uhrzeit er die meisten Mails verschickt. In einer Tagcloud werden außerdem die meist genutzten Worte seiner Mails dargestellt.

Es geht nicht darum, die Sammlung von Daten zu verhindern

Wer sich dazu entschließt, seine Nutzerdaten in Bitsaboutme zu importieren, kann sie in einem nächsten Schritt an Firmen weiter verkaufen, zum Beispiel als anonymisierte Einkaufsstatistiken. Denn nach Auskunft des Portal-Mitbegründers Christian Kunz gehe es überhaupt nicht darum, dass keine persönlichen Daten mehr gesammelt würden. Vielmehr gehe es darum, dass Nutzerinnen und Nutzer selbst daran verdienten - und nicht nur die großen Digital-Unternehmen.

"Wir wollen, dass der Nutzer selbst daran verdient, wenn diese Daten geteilt werden. Und das ist dann schon fundamental ein anderer Ansatz, ob immer die Daten-Broker mit den Daten Geld verdienen oder der Nutzer selbst."
Christian Kunz , Mitbegründer von Bitsaboutme

Die Angebote, die Nutzer des Datensammelportals als Gegenwert in Deutschland nutzen können, sind bisher noch überschaubar. Anders in der Schweiz. Wer dort zum Beispiel seine Netflix-Historie anonym teilt, bekommt dafür einen Franken oder einen Gutschein von einer Schweizer Tageszeitung.

Die eignen Daten finden eine noch größere Verbreitung

Aus Nutzersicht bleibt die Frage, warum die eigenen Daten durch den Verkauf an Firmen über das Schweizer Portal eine noch größere Verbreitung finden sollten, als dies ohnehin bereits der Fall ist. Hier argumentieren die Betreiber von Bitsaboutme, dass alle Daten doch ohnehin bereits vorhanden seien. Mit der eignen Datensammlung seien die Daten aber eben nicht mehr nur exklusiv im Besitz von Facebook, Google etc.

Auch wenn das kleine Startup aus der Schweiz keine Konkurrenz für die Datenriesen darstellt, hofft Mitbegründer Christian Kunz, dass es bei Konsumenten eine bewusste Entscheidung für oder gegen die Nutzung von Google- Diensten auslösen könne.

"Er kann entweder sagen: Das ist für mich okay, dass Google all das über mich weiß und ich kriege da coole Services und die dürfen das weiter machen. Oder er drückt bei Google auf den Knopf und sagt: 'Ich lösche da jetzt mal meine letzten fünf Jahre Google-Suchanfragen.'"
Christian Kunz , Mitbegründer des neuen Datensammelportals

Die stückweise Verkauf der Daten bietet Anlass für Kritik

Der Datenschutzberater und Vorsitzende der Deutschen Vereinigung für Datenschutz Frank Spaeing räumt mit Blick auf Bitsaboutme zwar ein, dass es eine gute Idee sei, Nutzern eine Übersicht über die eigenen Daten zu ermöglichen. Schwierig sei aus seiner Sicht aber, die Kunden des Dienstes zu motivieren, ihre Daten für ein paar Vorteile nach und nach zu verkaufen. Und das mit der Unsicherheit, ob es sich tatsächlich nur um den Verkauf von Daten, oder auch um Persönlichkeitsrechte handelt.

"Ich weiß nicht, ob das nicht tatsächlich Tür und Tor öffnet einem Handel, wo die Leute sich gar nicht mehr bewusst sind, dass sie nicht nur irgendwelche Daten verkaufen, sondern Persönlichkeitsrechte."
Datenschutzberater und Vorsitzende der Deutschen Vereinigung für Datenschutz Frank Spaeing

Wer sich bei dem neuen Portal anmeldet, erhält eine Übersicht der persönlichen Daten, die er über verschiedene Dienste im Netz hinterlässt, und kann diese an Firmen verkaufen. Mit dem Import der Daten sowie einem möglichen Verkauf, finden die eigenen persönlichen Daten allerdings eine weitere Verbreitung im Internet.