Viele von uns haben ein sehr ausgeprägtes Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Die allermeisten von uns handeln aber nicht immer danach. Das hat nachvollziehbare Gründe, sagt Sozialpsychologe Florian Kaiser.

Wir wissen, dass Fliegen viel CO2 verursacht und dass das schlecht für die Umwelt ist. Wir wissen auch, dass eine Menge unseres Plastikmülls im Meer landet, trotzdem kaufen wir im Supermarkt ein, wo vieles in Plastik verpackt ist. Warum ist das so? Warum driften unser Bewusstsein und unser Handeln in Sachen Klimaschutz im Alltag auseinander?

Klar, es gibt viele Gründe. Nachhaltig einzukaufen ist zum Beispiel teuer – und es kostet Zeit. Es ist nun mal etwas anderes, ob man auf dem Rückweg von der Arbeit kurz mit dem Auto vor dem Supermarkt hält, oder vorher nach Hause geht, um zwanzig Dosen und Einmachgläser einzupacken, um mit dem Fahrrad zum Unverpacktladen zu fahren.

Umweltschutz ist in unserem Verhalten immer sekundär

Sozialpsychologe Florian Kaiser benennt aber einen viel wesentlicheren Grund, warum wir oft nicht so nachhaltig handeln, wie wir das eigentlich wollen. Er sagt, bei den meisten Dingen, die wir tun, spiele der Umweltschutz nur eine untergeordnete Rolle.

"Umweltschutz ist bei jedem Verhalten das Sekundäre."
Florian Kaiser, Sozialpsychologe an der Uni Magdeburg

Wenn wir dieser Argumentation folgen, wären beispielsweise die Urlaubsplanung, die Versorgung mit Lebensmitteln oder der Wunsch, schnell von A nach B zu kommen die vordergründigen Motivationen. Umweltschutz wäre nach Florian Kaiser diesen Motiven hintenan gestellt.

Er begründet das ohne Vorwurf und nennt als Beispiel: "Sie möchten auch gesunde Zähne haben, und trotzdem mögen sie Zucker."

Zwei Wege, um unser Verhalten zu ändern

Wenn wir aber den Wunsch haben, unser Handeln stärker nach unserem Bewusstsein auszurichten, gebe es grundsätzlich zwei Wege, so der Sozialpsychologe:

  1. Rahmenbedingungen verändern
  2. Intrinsische Motivation ändern

Und er erläutert: "Die intrinsische Motivation beschreibt das Ziel, das ich mir selber setze, wie beispielsweise einen Marathon zu laufen oder eben die Umwelt zu schützen oder gesünder zu leben."

Wir erliegen unserer Versuchung

In einer Welt, in der die Rahmenbedingungen nicht stimmen, sei es natürlich auch nicht gerade leicht, umweltbewusst zu handeln. Beim Beispiel Fliegen wird das deutlich: Flüge seien schlicht zu günstig, meint Florian Kaiser. Die Preise würden mit staatlichen Subventionen gering gehalten, die ökologische Folgen des Fliegens seien nicht mit eingepreist.

"Wir unterliegen häufig der Versuchung, eine günstige Flugreise zu unternehmen, statt einer vergleichsweise teuren Bahnreise, die mich auch noch mehr Zeit kostet."
Florian Kaiser, Sozialpsychologe an der Uni Magdeburg

Zwar könne man mit dem Finger auf die Politik zeigen, und fordern, dass sie endlich etwas daran ändert. Man müsse aber auch sagen, so Florian Kaiser, dass die Politik nur umsetzen kann, was die Allgemeinheit bereit ist mitzutragen.

Nachhaltigkeit hat etwas mit Verzicht zu tun

Um diesen Punkt deutlich zu machen, argumentiert der Sozialpsychologe aus Sicht der Politik und führt an, dass wir als Wirtschaftsnation in der Bredouille stecken. Denn eine große Industrienation lebe natürlich davon, dass Dinge verkauft werden. Auf der anderen Seite habe Nachhaltigkeit etwas mit generellem Verzicht zu tun.

Als Lösung schlägt der Sozialpsychologe vor, früh in die Bildung von Kindern und Jugendlichen zu investieren, und bei ihnen schon früh die Reflexion des eigenen Wohlstands zu fördern.