Wenn an Karotten oder auch Radieschen so schönes Grün dran ist, wirkt das Gemüse herrlich frisch. Aber für dieses zarte Grün wird ein extra Aufwand betrieben, der Klima und Umwelt belastet. Und zu Hause landet das frische Grün ohnehin meistens im Müll.

"Das Blattgrün, das am Gemüse oben dran ist, ist nicht für den Verzehr gedacht", sagt unsere Reporterin Verena von Keitz. "Das ist nur aus optischen Gründen dran." Damit das Gemüse superfrisch ausschaut.

Vermeidbarer Einsatz von Pestiziden

Um diesen Frische-Effekt zu erzielen, muss das Grün aber auch wirklich frisch aussehen. Also nicht schlapp und/oder mit braunen Stellen. Dafür braucht es jedoch einen enormen Aufwand: Zum Beispiel werden extra Pestizide gespritzt, damit die Blätter grün und schön aussehen, so Anne Biewald vom Umweltbundesamt. Damit werden eigentlich komplett gesundheitlich unbedenkliche Schädlinge entfernt, damit die Blätter frisch aussehen. Das Umweltbundesamt hat dazu gemeinsam mit Verbraucherzentralen eine Pressemitteilung veröffentlicht.

"Da wird ziemlich häufig - kurz vor der Ernte - noch mal mit Pestiziden gespritzt, damit die Blätter schön, grün und groß aussehen."
Anne Biewald, Umweltbundesamt
Und das, obwohl die Blätter nicht verzehrt werden. Denn zu Hause beim Kochen landen die meist im Müll. Das heißt aber, dass mehr Pflanzenschutzmittel im Gemüseanbau eingesetzt werden als eigentlich nötig.

Das Grünzeug am Gemüse zieht Wasser

Ohnehin ist es besser, das frische Grün am Gemüse möglichst schnell zu entfernen. Denn wenn ihr das Grün dran lasst, wird das Gemüse schneller schlapp und weich. "Über das Blattgrün wird auch nach der Ernte weiter viel Wasser verdunstet, das es aus dem Gemüsekörper rauszieht", sagt Verena.

Mehrere Radieschen
Tipp von unserer Reporterin Verena: Das Grün am Gemüse lieber direkt entfernen. Denn das zieht auch nach der Ernte Wasser - zum Beispiel aus den Radieschen.

Ihr könnt mit dem Grünzeug durchaus was Leckeres kochen. Und so die Pflanze komplett nutzen und damit Ressourcen schonen. Zum Beispiel lässt sich Pesto aus Möhren- oder Selleriegrün machen. Kohlrabiblätter könnt ihr in der Pfanne braten. Oder ihr nutzt das Grün für einen Smoothie oder eine Suppe.

Aber es ist nur ein kleiner Teil der Bevölkerung, der sich kreativ mit dem Gemüsegrün beschäftigt und es auch verzehrt.

Das Gemüsegrün landet meist im Müll

Laut Umweltbundesamt werfen die meisten Verbraucherinnen und Verbraucher das Grün weg. Deshalb sei es besser, wenn das Grün direkt bei der Ernte auf den Feldern entfernt und in den Boden eingepflügt wird. "Da dient es auch der Humusbildung und geht dem Nährstoffkreislauf nicht verloren", sagt Verena. Vor allem bringe es Stickstoff in den Boden.

Die Diskussion um das Grün am Gemüse zeigt aber auch, dass beim Thema Größe und Optik von Gemüse der Handel eine wichtige Rolle spielt. Denn die Vorgaben des Einzelhandels - zum Beispiel beim Aussehen von Obst und Gemüse - seien deutlich strenger als gesetzlich vorgeschrieben, so Anne Biewald vom Umweltbundesamt.

"Die allgemeinen Vermarktungsnormen der EU, die für fast alle Gemüse- und sehr viele Obstarten gelten, geben in Bezug auf Größe oder Optik eigentlich gar nichts vor."
Anne Biewald, Umweltbundesamt
Trotzdem fordert der Handel von der Landwirtschaft Gemüse und Obst in bestimmten Größe und Formen – und zwar mit makelloser Oberfläche. Ansonsten werden die Lebensmittel nicht oder für weniger abgekauft, so Verena.

Eine Lösung könnte zum Beispiel sein, dass der Blumenkohl oder der Kohlrabi im Supermarkt nicht mehr nach Stückpreis, sondern nach Gewicht bezahlt werden. Das schlägt das Umweltbundesamt vor. Denn dann seien zumindest schon einmal Größenunterschiede beim Gemüse nicht mehr entscheidend. Und auch kleinere Blumenkohle oder Kohlrabis hätten eine Chance, verkauft zu werden.

  • Moderatorin:  Rahel Klein
  • Gesprächspartnerin:  Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova