Oft ist uns gar nicht bewusst, dass wir durch unseren Konsum dazu beitragen, dass Regenwald zerstört wird. Größter "Waldzerstörer" ist China und belegt Platz 1 der "Weltrangliste" - direkt gefolgt von der Europäischen Union.

Wenn Gartenmöbel beispielsweise mit dem Hinweis "Aus edlem Tropenholz aus Südamerika" versehen sind, dann ist das ein mögliches Indiz dafür, dass dafür ein Stück Regenwald abgeholzt wurde. Oft ist es aber auf den ersten Blick gar nicht so offensichtlich, wie zum Beispiel bei der Grillkohle, die wir kaufen.

"In Hinblick auf die Grillkohle geht es um Hölzer, die in den Tropen häufig illegal gewonnen werden und dann günstig exportiert werden, häufig illegal, und dann ihren Weg in die Grillkohle finden."
Christine Scholl, Referentin für nachhaltige Lieferketten beim WWF.

Zusammen mit dem staatlichen Thünen-Institut hat die Umweltorganisation World Wildlife Fund (WWF) Grillkohle aus elf verschiedenen europäischen Ländern getestet. Das Ergebnis: In knapp der Hälfte der untersuchten Kohle steckte Tropenholz. Dabei handele es sich meist nicht um Edelhölzer, aber oft um illegale Exporte, sagt Christine Scholl, Referentin für nachhaltige Lieferketten beim WWF.

Grillkohle aus Tropenhölzern - meist nicht offensichtlich

Ganz auf Grillkohle verzichten müssen wir nicht: Es gibt verschiedene Nachhaltigkeits-Zertifikate wie beispielsweise das Naturland-Siegel. Das soll sicherstellen, dass die Kohle aus einem Wald stammt, der ökologisch und nachhaltig bewirtschaftet wird. Ein so zertifizierter Sack Kohle ist allerdings etwas teurer und kostet circa 7 Euro.

"Wir sehen die Politik und in nächster Instanz dann tatsächlich auch die Unternehmen in der Verantwortung."
Christine Scholl, Referentin für nachhaltige Lieferketten beim WWF

Um herauszufinden, welche Länder besonders stark zur Zerstörung der Wälder beitragen, hat Christine Scholl mit einem WWF-Team vor Kurzem eine "Weltrangliste der Waldzerstörer" erstellt.

Waldzerstörer Nummer 1 in der EU: Deutschland

Eines der Kriterien war der Import bestimmter Produkte, die stark für die Abholzung verantwortlich sind. Das Ergebnis: China steht auf Platz 1 der "Weltrangliste der Waldzerstörer", gefolgt von der EU auf Platz 2.

Innerhalb der EU hat Deutschland den größten Anteil an der tropischen Abholzung. Brasilien, Indonesien und Paraguay sind die Länder, die am stärksten von diesem Raubbau betroffen sind.

"Wir wünschen uns eigentlich, dass die Konsumenten im Supermarkt sich weniger darüber Gedanken machen müssen. Denn eigentlich sollten sie annehmen dürfen, dass für ein Produkt auf dem deutschen Markt weder Regenwald zerstört noch Menschenrechte verletzt wurden."
Christine Scholl, Referentin für nachhaltige Lieferketten beim WWF

Palmöl für ein Viertel der Waldzerstörung verantwortlich

Viele Produkte, die Soja oder Palmöl enthalten, landen in unseren Einkaufskörben. Zudem wird Soja als Futtermittel in die EU und nach Deutschland importiert. Um größere Anbauflächen dafür zu schaffen, werden Regenwälder dafür abgeholzt. Auch für Kaffeeplantagen müssen Tropenbäume oft weichen.

Viele von uns wissen bereits, dass Palmöl in Nuss-Nugat-Cremes enthalten sein kann. Das Öl findet sich aber auch in vielen Süßigkeiten und Fertigprodukten wieder wie Chips und Tiefkühlpizzen - jedoch nicht in diesen Pizzen. Aber auch in Seife und anderen Kosmetika ist meist Palmöl enthalten.

Laut einem WWF-Report ist Palmöl für ein Viertel der Zerstörung von Regenwäldern in den Tropen verantwortlich. Und weil es in so vielen Produkten steckt, ist ein völliger Verzicht langwieriger.

Bio-Produkte in Kombination mit Nachhaltigkeits-Siegel

Beim Kauf von Lebensmitteln empfiehlt Christine Scholl, Bio-Produkte zu kaufen, die möglichst auch noch mit einem Nachhaltigkeitssiegel wie zum Beispiel RSPO (Roundtable on Sustainable Palm Oil) gekennzeichnet sind. Auch wenn wir Kaffee kaufen, können wir uns daran orientieren.

"Es ist auf jeden Fall immer gut Bioprodukte zu kaufen - am besten in Kombination mit einem RSPO-Siegel."
Christine Scholl, Referentin für nachhaltige Lieferketten beim WWF