Der Chemiker Andreas Fath ist von der Rhein-Quelle bis zur Mündung geschwommen und hat dabei regelmäßig das Wasser untersucht. Das Ergebnis: Es gibt Substanzen, die ihm Sorgen bereiten. Zum Beispiel eine ganze Lkw-Ladung Süßstoff pro Jahr, die im Rhein landet.

Andreas Fath ist Professor an der Fakultät Medical and Life Science der Hochschule Furtwangen und begeisterter Freiwasserschwimmer. Den Rhein komplett zu durchschwimmen war für ihn 2014 nicht nur eine sportliche Herausforderung, er wollte auch mit den beteiligten Instituten eine Bestandsaufnahme der Chemikalien machen, die im Rhein vorkommen. Die Ergebnisse hat Andreas Fath im Buch "Rheines Wasser" veröffentlicht.

"Die Kläranlagen, die mittlerweile installiert worden sind, sorgen schon dafür, dass der Rhein sauberer geworden ist, aber es gibt dennoch Substanzen, die jedes Jahr in Tonnen-Maßstäben in die Nordsee gespült werden. Das macht mir Sorgen."
Andreas Fath

Oberhalb der Bestimmungsgrenze von einem Nanogramm pro Liter hat der Wissenschaftler 128 organische Substanzen gefunden. Vom Begleitboot und über eine Membran, die Andreas Fath an der Wade befestigt hatte, wurden die Proben aus dem Rhein entnommen. Die gefunden Substanzen lassen sich in die Kategorien Süßstoffe, Pestizide, Insektizide und Medikamente einteilen. Durch die Ergebnissen sind inzwischen neue Forschungsgebiete entstanden.

In der Nordsee landen mehr als eine Lkw-Ladung Süßstoff pro Jahr

Alarmierend findet Andreas Fath einerseits die große Anzahl an unterschiedlichen Substanzen und zum anderen die Konzentration an der Rheinmündung. Zum Beispiel gelangen pro Tag 40 Kilo Süßstoff in die Nordsee - oder: 50 Tonnen pro Jahr. Das entspricht mehr als einer Lkw-Ladung.

"Da kann man sich schon die Frage stellen, wie lange das noch gut geht und die Nordsee nicht doch irgendwann einen leichten Süßgeschmack bekommt."
Andreas Fath

Ursache sind die vielen Light-Getränke, die wir konsumieren, sagt Andreas Fath. Seit er die Analyse gemacht habe, gehe er aufmerksamer durch den Supermarkt und habe festgestellt, dass auch vielen anderen Produkten Acesulfam zugesetzt wird: "Wenn man sich mal die Packungsbeilagen anschaut, wundert man sich doch, weshalb diese Subtanzen da überhaupt eingesetzt werden."

"Es gibt Substanzen, die uns nicht schaden, die aber Einflüsse auf unser Öko-System haben. Deswegen sollten wir handeln und die Technologien in den Kläranlagen verbessern, damit die Substanzen nicht in die Umwelt gelangen."
Andreas Fath

In der Kategorie Medikamente hat Andreas Fath den Tranquilizer Oxazepam gefunden. Die Konzentration im Rhein ist für uns nicht schädlich, sagt Andreas Fath, aber für den Zackenbarsch. Bei ihm steigert er die Aktivität des Zackenbarschs und verändert sein Fressverhalten. Ein weiteres Medikament ist das Schmerzmittel Diclofenac: Das Medikament schädigt die inneren Organe der Regenbogenforelle.

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