Der indonesische Fluss Citarum gilt als einer der schmutzigsten Flüsse der Welt. Sowohl Textilindustrie als auch Privathaushalte entsorgen ihre Abfälle darin. 

Obwohl an manchen Stellen vor lauter Plastikmüll nicht viel vom Fluss Citarum zu sehen ist, gibt es immer noch Menschen, die darin versuchen, Fische zu angeln. Unser Reporter Frederik Fleig hat sich auf der Insel Java, durch die der Fluss fließt, umgesehen und den Fischer Yayang Kaleng begleitet. 

Der Fischer Yayang Kaleng versucht im Fluss Citarum zu angeln.
© Frederik Fleig | Deutschlandfunk Nova
Der Fischer Yayang Kaleng versucht, im extrem verschmutzten Fluss Citarum zu angeln.
"Der Fluss ist sehr dreckig. Das ganze Plastik kommt aus den Städten. Der Fluss hat überall kleine Ausläufer und über die landet der ganze Abfall aus der gesamten Region am Ende hier im Fluss."
Yayang Kaleng, Fischer

Als Yayang Kaleng sein Fischernetz ins Wasser wirft, angelt er nur Plastikmüll. Unter anderem vier Plastiktüten, drei Getränke-Päckchen, zwei Plastikflaschen,  zwei Strohhalme und ein Joghurt-Becher. 

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Der Citarum versorgt fast 30 Millionen Menschen mit Wasser. Doch weil es keine öffentliche Müllabfuhr gibt, landet der Hausmüll vieler Haushalte einfach im Bach um die Ecke. Von dort fließt er dann in immer größere Flüsse und am Ende ins Meer.

Im Jahr 2017 sind die Müllmassen im Fluss so groß gewesen, dass sie Teile des Flusses verstopft haben. Es sind Bilder um die Welt gegangen, die Einheimische auf Booten zeigen, die sich Eisbrechern gleich ihren Weg durch Abfallberge bahnen - auf einem Fluss, dessen Wasser nicht mehr zu sehen ist.

Plastikmüll im indonesischen Fluss Citarum.
© Frederik Fleig | Deutschlandfunk Nova
An manchen Stellen ist das Wasser des Flusses Citarum vor lauter Müll nicht mehr zu sehen.
"Es ist vielleicht 50 Jahre her, da haben die Leute ihr Essen eingewickelt in Bananen-Blättern gekauft. Und die konnten sie einfach auf den Boden werfen. Genau so läuft es noch immer, nur eben mit Plastik. Es fehlt einfach an Infrastruktur wie einer Müllabfuhr."
Gove DePuy, Umweltberater

Das Problem besteht nicht nur darin, dass Unmassen an Plastik im Fluss treiben, auch die Schadstoffbelastung ist sehr hoch. 

Bei aktuellen Labor-Untersuchungen wurden in Reispflanzen der Umgebung stark erhöhte Werte festgestellt. Unter anderem der 120-fache Grenzwert von Blei. 

Täglich landen 280 Tonnen Abwasser im Citarum

In den Haarproben von Kindern aus der Umgebung fanden sich mehr als 50 Schadstoffe. Neben Weichmachern auch Neurotoxine, die man sonst aus Chemie-Waffen kennt und die in Textil-Fabriken zur Schädlings-Bekämpfung genutzt werden.

Laut Messungen von Umweltaktivisten leiten mehr als 500 Textilfabriken ihre giftigen Abwässer in den Fluss. Das sind täglich rund 280 Tonnen chemisch belastete Flüssigkeit. Die Firmen kommen zum großen Teil aus China oder Japan und produzieren laut Recherchen von Al-Jazeera unter anderem für H&M, Gap und Uniqlo. 

"Die Industrie leitet ihre giftigen Abfälle einfach in den Fluss. Deshalb hat das Wasser verschiedene Farben. Blau-Töne, Rot-Töne. Man paddelt da also echt durch so eine schwarze Mayonnaise."
Gary Bencheghip, Umweltaktivist
Der Fluss Citarum versorgt rund 30 Millionen Indonesier.
© Frederik Fleig | Deutschlandfunk Nova
An manchen Stellen ist das Wasser des Flusses Citarum vor lauter Müll nicht mehr zu sehen.

Viele Umweltaktivisten weisen mit Aktionen auf die schlimme Situation des Flusses hin. So auch die Brüder Gary und Sam Bencheghip, die zwei Wochen lang mit einem aus Plastikflaschen gebastelten Kanu den Fluss entlang gefahren sind. Mit Fotos und Videos, die später im Netz viral gegengen sind, dokumentieren sie die immense Verschmutzung.

Citarum Harum - der duftende Fluss

Die indonesische Regierung hat einen "Sieben-Jahres-Reinigungsplan" unter dem Titel "Citarum Harum" - übersetzt: duftender Fluss - entwickelt. Einmal in der Woche fischen Soldaten beispielsweise den Plastikmüll aus dem Wasser. Bis 2025 soll der Fluss komplett gereinigt und vollständig wiederhergestellt sein. Für dieses Vorhaben hat die Regierung umgerechnet 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt.

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