Wir kennen Plastikinseln, die auf dem Meer schwimmen, oder wissen, dass sich Mikroplastik in Meerestieren wiederfindet, aber dass der Rhein pro Jahr zehn Tonnen Mikroplastik in die Nordsee spült, haben Forscher erst jetzt herausgefunden.

Ein Forscherteam aus der Schweiz hat an elf Stellen im Rhein Proben genommen und diese nach Mikroplastikteilchen untersucht. Das Ergebnis ist erschütternd: Der Rhein ist viel stärker belastet als angenommen. Er ist außerdem stärker als andere Gewässer belastet.

Im Durchschnitt befinden sich 900.000 Mikroplastikteilchen pro Quadratkilometer im Rhein. Die Belastung des Rheins ist vom Ursprung bis zur Rheinmündung bei Rotterdam sehr unterschiedlich. Am Oberrhein zwischen Basel und Mainz haben die Forscher 200.000 Teilchen pro Quadratkilometer gemessen, während sie im Niederrhein ab Köln pro Quadratkilometer mehr als 2,3 Millionen Partikel herausgefischt haben.

So transportiert der Rhein pro Jahr zehn Tonnen Mikroplastik in die Nordsee, was ungefähr dem Gewicht eines Elefanten entspricht. Zum Vergleich: Rund um Großbritannien wurden durchschnittlich 12.000 bis maximal 150.000 und im Mittelmeer bis zu 300.000 Mikroplastik-Partikel pro Quadratkilometer gefunden.

Mikroplastik in der Nahrungskette

Diese Mikroplastikteilchen entstehen aus Abfallprodukten der Industrie, stammen von Verpackungen, Acryl- oder Polyesterstoffen. Die Forscher vermuten, weil es sich meist um die Kunststoffarten Polyethylen, Polypropylen und Polystyrol handelt, dass sie aus der Verpackungs- und Automobilindustrie stammen. Dort werden diese Kunstoffarten häufig eingesetzt. Denkbar sind auch Kosmetik und Reinigungsmittel, die in die Abwässer und schließlich in den Rhein gelangen. Auffällig ist die hohe Konzentration von Mikroplastik am Niederrhein, wo sich sehr viel Industrie und Ballungsräume wie das Ruhrgebiet befinden.

Mikroplastikteilchen sind sehr klein, meist weniger als fünf Millimeter groß. An den Teilchen lagern sich Chemikalien und Umweltgift ab. Meerestiere fressen die Teilchen und sterben entweder an den Giften oder weil der Verdauungstrakt verletzt wird. Das Mikroplastik kann über Meerestiere auch in den Nahrungskreislauf und so auch wieder zu uns zurückgelangen.

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