Wissenschaftler haben in Süßwassergarnelen Spuren von Kokain entdeckt. Wie das Kokain in die kleinen Krebstiere gelangt und wie es dort wirkt, erklärt der Biologe und Tierexperte Mario Ludwig.

Forscher des King's College London und der Universität von Suffolk haben in Süßwassergarnelen Spuren von Kokain gefunden. Sie haben nachgewiesen, dass die Droge über das Abwasser in die Umwelt gelangt. Im Abwasser vieler europäischer Städte haben sie geringe Dosen von Kokain gefunden. 2009 habe eine Studie der Universität von Antwerpen bis zu 753 Nanogramm Kokain pro Liter Wasser in Gewässern und Kläranlagen rund um Brüssel entdeckt.

Kokainrückstände im Abwasser

Die Werte in anderen europäischen Großstädten fallen ähnlich aus. Eine Langzeitstudie der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht untersucht das Abwasser in 70 europäischen Städten. Die höchste Kokain-Konzentrationen im Abwasser seien in Belgien, Spanien, den Niederlanden und Großbritannien nachgewiesen worden. In deutschen Städten dominiere im Abwasser dagegen eher die Rückstände von Ecstasy, sagt Mario Ludwig.

Die Konzentration von Kokain in den Süßwassergarnelen sei aber so gering, dass man diese Garnelen weiterhin essen könne, sagt der Biologe.

"Die Kokainkonzentrationen in den Garnelen sind sehr gering. Deshalb kann man diese "Koksgarnelen" bedenkenlos essen."
Mario Ludwig, Biologe
Europäischer Aal.
Der Europäische Aal steht bereits auf der Roten der Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Das Kokain könnte seine Existenz noch weiter gefährden.

Die Wirkung von Kokain auf Tiere

Bei den Süßwassergarnelen wissen die Forscher bisher noch nicht, welchen Einfluss das Kokain, dass in ihnen nachgewiesen wurde, auf die Krebstiere hat.

Kokain habe – selbst in niedrigen Dosen – einen verheerenden Einfluss auf Aale, sagt Mario Ludwig. Das haben Wissenschaftler der Universität von Neapel schon 2015 in einem Laborexperiment nachgewiesen.

Koks macht Aale anfälliger und hyperaktiv

Die italienischen Wissenschaftler haben Aale über einen Zeitraum von 50 Tagen in Wasser gehalten, das eine ähnliche Kokainkonzentration hatte, wie sie auch in Flüssen zu finden ist. Mit schlimmen Folgen für die Aale: Das Kokain habe sich in Gehirn, Kiemen, Muskeln und Fettgewebe abgelagert. Dadurch wäre nicht nur der Hormonhaushalt durcheinandergebracht worden, sie produzierten auch weniger Schleim auf ihrer Haut.

Die Aale seien dadurch anfälliger für Parasiten und Verletzungen geworden. Sie zeigten auch auffälliges Verhalten, weil sie hyperaktiv geworden seien. Durch einen zehntägigen "Kokainentzug" habe sich der Zustand der Aale nicht gebessert. Die Kokainspuren in unseren Gewässern könnten langfristig dazu führen, dass die gefährdeten Europäischen Aale aussterben.

Ratten können kokainabhängig werden

Um zu untersuchen, wie Tiere auf Kokain reagieren, haben französische Forscher Laborexperimente mit Ratten durchgeführt. Damit haben sie nachgewiesen, dass die Ratten ein ähnliches Suchtverhalten wie Menschen entwickeln. Nach drei Monaten Kokainkonsum seien 17 Prozent der Versuchstiere abhängig gewesen.

Anhand von drei Kriterien weisen die Forscher nach, dass die Ratten abhängig sind:

  • Die Ratten wollten Kokain haben, obwohl sie genau wissen, dass es nicht verfügbar ist
  • Sie sind bereit, lange und beschwerliche Wege zu gehen, um an Kokain heranzukommen
  • Auch eine Bestrafung – zum Beispiel heftige Elektrostöße – können die Ratten nicht vom Kokainkonsum abhalten

Schutz der Wassertiere schwierig

Nach Ansicht von Experten sei es unwahrscheinlich, dass der Kokainkonsum in deutschen Städten zurückgehe. Der Einbau von entsprechenden Drogen-Filtern in Kläranlagen halten Experten bisher noch für unrealistisch, weil das sehr aufwendig und teuer sei.