Manchmal wissen alle, dass die UNO belogen wird. Doch niemand sagt etwas, das gehört zur Diplomatie - schon gar, wenn die Entscheidungen schon getroffen sind. Trotzdem hält Gunter Pleuger die UNO für das beste, was wir haben.

Gunter Pleuger war von November 2002 bis Juli 2006 der ständige Vertreter der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen. Er war also auch zu der Zeit bei der UNO, als der damalige US-Außenminister Colin Powell im Februar 2003 vor dem Weltsicherheitsrat dafür plädierte, im Irak militärisch aktiv zu werden.

"Alle Mitglieder des Sicherheitsrates wussten: Das, was Colin Powell vorliest, stimmt nicht."
Gunter Pleuger, ständige Vertreter der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen von 2002 bis 2006

Trotzdem hat im Weltsicherheitsrat niemand etwas gesagt. Das war auch gar nicht nötig, sagt Pleuger. Denn die Entscheidung von 11 von 15 Mitgliedern des Sicherheitsrates war schon vorher gefallen. Und die der USA auch. So wurde der Krieg im Irak von der UNO also nicht legitimiert, er fand trotzdem statt. Die USA haben damit gegen das Völkerrecht verstoßen, sagt Pleuger: "Eine Supermacht kann sich so etwas erlauben."

Reformpläne liegen seit 20 Jahren auf dem Tisch

Gunter Pleuger hält die Vereinten Nationen für reformbedürftig. Dass es fünf Länder mit Veto-Recht gibt, sei zum Beispiel nicht mehr zeitgemäß. Reformpläne gebe es schon lange. So wurde 1998 und 2005 versucht, sie zu beschließen. Pleuger: "Die Pläne sind gut. Es fehlte an politischem Willen."