Jedes zehnte Paar in Deutschland leidet unter einem unerfüllten Kinderwunsch. Bei Frauen kann die Ursache körperlich aber auch psychisch sein. Ein neues Online-Beratungsprogramm spricht beide Aspekte an. Die Erfolgsquote ist hoch.

Das Online-Programm wurde von einem US-Forschungsteam aus Vermont speziell für Frauen mit einem unerfüllten Kinderwunsch entwickelt. Für die Pilotstudie haben 71 Frauen mitgemacht, die sich selbst als unfruchtbar beschrieben hatten. Offiziell gilt eine Frau als unfruchtbar, wenn trotz regelmäßigem Geschlechtsverkehr nach zwei Jahren keine Schwangerschaft zustande kommt.

Die Erfolgsquote am Ende des Programms war ähnlich hoch wie bei persönlichen Beratungsgesprächen: Jede zweite Frau, die das Online-Programm absolvierte wurde schwanger.

"Die Absolventinnen des Programms waren am Ende der Studie in 53 Prozent aller Fälle schwanger. Also jede zweite Frau hatte Erfolg."
Kathrin Sielker, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Dagegen wurden in der Kontrollgruppe, also die Frauen, die auf eine Warteliste für das Programm gesetzt wurden, nur 20 Prozent der Frauen schwanger. Die Frauen des Online-Programms hatten also eine zweieinhalb mal höhere Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden.

Online lässt die Hemschwelle sinken

Die getestete Online-Version basiert auf einem bereits etablierten Programm, das seit vielen Jahren als Offline-Version existiert. Medizinerinnen und Mediziner der Harvard-University entwickelten mit dem "Mind/Body Programm for Fertility" ein Programm, das Körper und Psyche gleichermaßen ansprechen soll. Diese Kombination ist wichtig, da eine Unfruchtbarkeit oft psychischer Natur ist und durch die Medizin allein oft nicht behoben werden kann.

"Weil Unfruchtbarkeit öfter keine medizinisch unbehebbare Ursache hat, sondern oft schon mit Behandlungen gegen Ängste, Depressionen und Stress behoben werden kann."
Kathrin Sielker, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Es trauen sich jedoch nur sehr wenige Frauen, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Oft seien sie skeptisch, weil sie Angst vor einer Stigmatisierung oder keine Lust auf eine komplizierte Terminsuche hätten, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Kathrin Sielker. Durch eine Online-Behandlung wollten die Forschenden diese Hemmschwelle verringern.

Digitale Beratung durch echte Therapeuten

In der Online-Version des Programms nehmen die Teilnehmerinnen an verschiedenen Modulen teil, insgesamt sind es zehn Stunden. In diesen Stunden sollen sie die Zusammenhänge zwischen Stress, Lebensstil und Fruchtbarkeit erarbeiten und werden parallel von echten Therapeutinnen unterstützt. Die Module bestehen mal aus Texten, mal aus Videos oder Audiopodcasts.

Entspannen, Kommunizieren, Zuhören

Durch Zwerchfellatmung und Hatha-Yoga sollen die Frauen Entspannungstechniken für den Alltag erarbeiten und so lernen, mit negativen Gefühlen wie Wut besser umzugehen. Ihre Bedürfnisse und Gefühle erfolgreicher zu kommunizieren, lernen sie in speziellen Kommunikationstrainings. Und auch das Miteinander mit dem Partner wird berücksichtigt, indem sie Zuhörtechniken erlernen.

Nach der ersten Pilotstudie scheinen die Strategien zur körperlichen und psychischen Stressreduzierung durch Online-Beratung ein vielversprechendes Konzept zu sein.