Waschbären sind knuffig, bedrohen allerdings den Lebensraum anderer Tiere. Jetzt wird es eng für den sich rasend vermehrenden Kleinbären. Der Deutsche Jagdverband will verstärkt jagen.

Importiert wurden die Tiere einst aus Nordamerika für deutsche Pelzfarmen. Schon in den 30er Jahren wurden sie jedoch in die Natur ausgesetzt oder entwischten. Dort konnten sie sich extrem vermehren - weitaus mehr als etwa der Marder. Das liege vor allem daran, dass er ein gewitzter, vielfräßiger und besonders mobiler Räuber ist, sagt Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverbande DJV.

Waschbären im Anmarsch

Unstrittig ist, dass die Population zugenommen hat. Wie viele Tiere es genau gibt, lässt sich nur schätzen. Anhaltspunkte liefert aber das Wildtier-Informationssystem der Länder des DJV. Hier berichten Jäger bundesweit, wie sich die Tierbestände entwickelt haben. Demnach hat sich der Waschbär-Bestand in den letzten Jahren verdoppelt. In der letzten Jagdsaison seien mit 128.000 Tieren so viele Waschbären geschossen worden wie noch nie. Für Torsten Reinwald Zeit, sie flächendeckend zu jagen.

"Der Waschbär ist ein ausgesprochen effektiver Räuber und Fleischfresser. Das ist fatal für Bodenbrüter. Er ist auch verantwortlich dafür, dass die letzten Sumpfschildkröten in Brandenburg dezimiert wurden."
Torsten Reinwald,vom Deutschen Jagdverband DJV

Bereits seit 2016 steht der Waschbär auf der Liste der unerwünschten Tierarten der EU. Seine Ausbreitung sollte bekämpft werden. Einer intensiveren Jagd mit Waffen und Fallen stimmt auch Hilmar Freiherr von Münchhausen von der Deutschen Wildtier-Stiftung zu. Er betont aber, dass dies geplant und regionsspezifisch erfolgen sollte. Also dort, wo der kleine Räuber besonders wütet. Das ist beispielsweise in den Regionen Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Hessen der Fall.

"Wir dürfen niemals den Jungtieren die Elterntiere wegschießen, solang die Elterntiere für die Aufzucht der Jungtiere gebraucht werden. Das ist ein ehernes Gesetz."
Hilmar Freiherr von Münchhausen, Deutschen Wildtier-Stiftung

Bei der Jagd auf den Waschbären gehe es zunächst nur darum, die Population einzudämmen. Ausgerottet werden soll der Kleinbär erstmal nicht. Das wäre vermutlich auch zwecklos. Bereits vor 30 Jahren hat man versucht, das Tier auszurotten. Erfolglos.

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