Bislang gab es nur Schätzungen, wie oft es zu Unfällen kommt, weil der Fahrer am Smartphone rumspielt. Wie gefährlich es aber ist, mit dem Handy am Steuer zu fahren, hat jetzt die Universität Braunschweig in einer Studie festgestellt.

Handy am Steuer. Das kostet einen Punkt in Flensburg und 60 Euro, wenn ihr dabei erwischt werdet - egal, ob ihr damit telefoniert, chattet oder Mails checkt. Allerdings fehlten bislang Daten, wie oft es wirklich zu Unfällen wegen Handy am Steuer kommt. Jetzt hat die Universität Braunschweig eine Studie vorgelegt. Und die Forscher sprechen von alarmierenden Ergebnissen, sagt die NDR-Journalistin Melanie Fuchs, die sich die Studie schon mal ansehen konnte.

"Wenn man vier bis fünf Sekunden aufs Handy schaut, dann fährt man mehr als 120 Meter blind. Und das ist mehr als die Strecke eines Fußballfeldes."
Melanie Fuchs, NDR-Reporterin

Die Forscher haben sich für ihre Untersuchung an 30 verschiedenen Orten in Braunschweig, Hannover und Berlin aufgestellt. An Ampeln, an ein- und zweispurigen Straßen haben sie in knapp 12.000 Autos reingeschaut. In diesem Moment haben viereinhalb Prozent der Fahrer getippt oder gelesen - was noch gefährlicher als telefonieren ist, weil sie Augen nicht auf der Straße sind. Bei einer Geschwindigkeit von 100 Km/h legt ein Fahrer knapp 30 Meter pro Sekunde zurück. Wer vier bis fünf Sekunden aufs Handy schaut, um eine Nachricht zu checken, ist also mehr als 120 Meter im Blindflug unterwegs - mehr als die Länge eines Fußballfeldes.

Hohe Dunkelziffer

Bislang gab es sehr wenige Studien, die sich mit der Unfallgefahr durch Smartphones beschäftigen. Nur das Saarland, Berlin und NRW haben überhaupt die Kategorie "Handy am Steuer" in ihren Unfallstatistiken. Und dann sind die belegten Unfallzahlen auch noch verschwindend gering, weil kaum ein Fahrer nach einem Unfall zugibt, dass er sein Smartphone benutzt hat.

Es spricht also einiges dafür, dass die Dunkelziffer sehr hoch liegt. Schätzungen aus Österreich oder den USA gehen davon aus, dass 20 Prozent der Unfälle auf Handys am Steuer zurückzuführen sind. Klar, dass bei solchen Ergebnissen sofort wieder der Ruf nach höheren Strafen oder mehr verdeckten Kontrollen laut wird. Es gibt aber auch viele Stimmen, die an das Bewusstsein der Fahrer appellieren. Auch Alkohol am Steuer oder Fahren ohne Anschnallgurt galt vor einigen Jahren noch als Kavaliersdelikt.

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