Die Windgeschwindigkeit nahe der Erdoberfläche hat seit 2010 weltweit zugenommen. Das ist gut, denn dadurch wird mehr erneuerbare Energie durch Windkraft gewonnen. Doch leider wird das nicht für immer so bleiben.

Ein internationales Team aus Forschenden hat errechnet, dass die durchschnittliche Windgeschwindigkeit seit 2010 um etwa 7 Prozent auf fast 12 Kilometer pro Stunde gestiegen ist. Dieses Ergebnis ihrer Studie haben sie in Nature Climate Change veröffentlicht. Umgerechnet beträgt diese Steigerung ungefähr sechs Knoten und ist am Übergang von leichter zu schwacher Brise eingeordnet. Bei der Geschwindigkeit kommen zumindest schon mal Fahnen in Bewegung, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Nele Rößler.

Gut für Erneuerbare - mehr Energie durch Windkraft

Für die Windkraft hat diese Brise allerdings einen Effekt: 2017 hat ein durchschnittliches Windrad 17 Prozent mehr Energie erzeugt als noch 2010. Wenn der Anstieg weiter anhält, könnte der Energiebetrag bis 2024 sogar um weitere 37 Prozent im Vergleich zu heute steigen.

"Sechs Knoten, das ist der Übergang zwischen leichter und schwacher Brise, also da bewegen sich Fahnen zwar schon, aber man hat jetzt noch keine großen Wellen."
Nele Rößler, Deutchlandfunk-Nova-Reporterin

Für die Studie haben die Forschenden Daten von 1400 Wetterstationen in Europa, Nordamerika und Asien genommen und den Zeitraum von 1978 bis 2017 ausgewertet. In den 1980er Jahren hatte die durchschnittliche Windgeschwindigkeit abgenommen. Das ist auch in ältere Studien festgestellt worden. Damals glaubten Wissenschaftler, dass die zunehmende Bebauung und mehr Vegetation daran schuld seien, dass sich die Windgeschwindigkeit verlangsamt.

Die zunehmende Vegetation hängt mit dem Klimawandel zusammen, denn CO2 ist ein Pflanzennährstoff. Die erhöhte CO2-Konzentration in der Luft und die Erderwärmung pushen das Pflanzenwachstum.

Windgeschwindigkeiten schwanken langfristig

Wenn die Windgeschwindigkeit aber seit 2010 gestiegen ist, gleichzeitig aber auch die Bebauung und die Vegetation weiter zugenommen haben, muss eine neue Erklärung her.

Als Ursache vermuten die Forschenden langfristige Schwankungen in den Strömungen der Ozeane, die auch vom Klimawandel beeinflusst werden. Diese Schwankungen sind mit der Atmosphäre gekoppelt. Durch die unterschiedlich warmen Regionen auf der Erde entstehen thermische Winde zwischen den Regionen. Allerdings nimmt durch diese Winde auch die Gefahr der Stürme zu.

Langfristig werde die Windgeschwindigkeit wieder abnehmen, glauben die Forschenden. Nach 2025 soll sich der Trend demnach wieder umkehren.