Im zweiten Teil unserer Serie geht es um Müll – ganz allgemein. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA. Unsere Reporterin Kerstin Ruskowski hat sich umgehört. 

Müll, was ist das überhaupt? Der englische Wikipediaartikel fasst unter dem Begriff alles zusammen, was wir nicht mehr wollen und nicht mehr gebrauchen können. Und davon gibt es jeden Tag eine ganze Menge. Egal, ob in Köln, München oder Berlin, Moskau, Aruba oder San Francisco. 

"Je sauberer ein Abfallstrom ist, umso eher können Sie damit auch wieder was anfangen."
Hartmut Haeming, Fachbereichsleiter Technik der Müllverbrennungsanlage in Köln

Doch wie der Müll entsorgt wird, das kann sich sehr stark unterscheiden, je nachdem, wo wir wohnen. In Deutschland werden zwei Drittel unseres Mülls getrennt, alles andere landet im Restmüll. Rund 80 Prozent unseres Recyclingmülls werden wirklich recycelt, bei Plastik soll die Quote noch höher liegen. 

9.06.2018, Friedrichshain, Holzmarktstrasse, Berlin, Drei verschiedene Muelltonnen stehen an einer Hauswand.
© picture alliance/dpa-Zentralbild
Mülltrennung in Deutschland

Eine Statistik, an der Peter Qicker, Professor für Energierohstoffe an der RWTH Aachen, kein gutes Haar lässt. Denn in Deutschland gelte Abfall schon als recycelt, wenn er in den Betriebshof gefahren wird. Was dort mit ihm passiert oder ob er anschließend verbrannt wird oder auf die Deponie kommt, wisse dagegen niemand. 

Schätzungen gehen davon aus, dass nur rund 30 Prozent unsere Recyclingmülls wirklich recycelt wird – also dass aus einem alten Joghurtbecher ein neues Produkt aus Plastik wird. Stoffliches Recycling nennen das Fachleute. 

Dass diese Quote so niedrig ist, hat auch damit zu tun, dass viele Verpackungen aus verschiedenen Materialien bestehen, wie zum Beispiel beim Tetrapack. Und dann ist da noch das Problem, dass ein Kunststoffprodukt aus recyceltem Plastik oft teurer ist, als wenn es zum ersten Mal aus Erdöl gewonnen wird.

"Hier wird nichts vernichtet in dem Sinne. Es wird nur in eine Form überführt, die für die Umwelt ein geringeres oder kein Schadenspotenzial mehr darstellt, wie es das Ausgangsprodukt auf Dauer dann eben täte."
Markus Weiler, Betriebsleiter einer Kölner Müllverbrennungsanlage
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Restmüll, der im Land verbleibt, wird bei uns verbrannt. Ganz weg ist er damit allerdings nicht: Etwa ein Viertel bleibt in Form von Asche zurück. Experten nennen das Rostasche – und die landet dann doch noch auf der Deponie. Wir werden den Müll also auch mit Verbrennen nicht ganz los, aber zumindest wird der Müllberg deutlich kleiner und wir ziehen noch Energie in Form von Wärme raus. 

In der Müllverbrennungsanlage Erfurt-Ost schwebt am Dienstag (17.10.2006) der Greifer des Krans im Müllbunker. Etwa 90.000 Tonnen Müll sollen hier jährlich mechanisch-biologisch aufbereitet und verbrannt werden. Müllfahrzeuge aus Erfurt, Weimar und später auch aus dem Kreis Weimarer Land bringen den Müll zu der Restabfallbehandlungsanlage. Etwa 70 Millionen Euro investierten die Erfurter Stadtwerke in die umstrittene Anlage, gegen die es rund 10 000 Einwendungen gab. Weitere Müllverbrennungsanlagen entstehen in Thüringen bei Zella-Mehlis und Rudolstadt. Foto: Martin Schutt/lth +++(c) dpa - Report+++
© dpa
Die Müllverbrennungsanlage in Erfurt-Ost in Betrieb

Beim Verbrennen entsteht allerdings nicht nur Asche, sondern auch Rauch. Fachleute versichern, dass Gase wie Dioxine, Ferane, Schwermetalle oder Ähnliches noch in der Anlage chemisch so behandelt würden, dass sie nicht mehr schädlich seien.

"Bioabfall muss jetzt deutschlandweit gesammelt werden. Das kommt von der EU. Aber ob ich jetzt zwei oder drei Tonnen oder fünf hab vor dem Haus, ob ich ein Bring- oder Holsystem hab, das ist eigentlich nach wie vor der Kommune überlassen."
Peter Quicker

Organische Abfälle aus unseren Biotonnen landen in Deutschland in der Kompostierungsanlage. Wenn denn im eigenen Hinterhof überhaupt eine Biotonne steht. Zwar besteht seit 2015 eine gesetzliche Pflicht, die Bioabfälle getrennt zu sammeln, aber bei der Auslegung dieser Regelung gibt es für die Entsorgungsunternehmen noch Spielraum.

Ein Blick in die USA – Müll im XXL-Format

Die durchschnittliche US-Amerikanerin produziert noch mehr Müll als der Deutsche: fast zwei Kilo jeden Tag. US-Mülltonnen fassen rund 360 Liter. Und in diesen XXL-Müllschlucker kommt dann meist alles rein, was sich irgendwie recyceln lässt: Plastikverpackungen, aber auch Papier und Glasflaschen. Versuche mit unterschiedlichen Tonnen haben sich nicht bewährt. 

Ein Kipplaster auf einer Müllkippe in Nevada
© Deutschlandfunk Nova | Kerstin Ruskowski
Ein Kipplaster wird auf der Müllkippe in Nevada geleert

Alles in eine Tonne

Aber natürlich bringt es auch Probleme mit sich, alles in eine Tonne zu werfen. Denn wenn man alles in eine Tonne schmeißt – Papier, Plastikverpackungen mit Essensresten und Flaschen, in denen oft noch der letzte Schluck steckt - dann geht das auf Kosten der Qualität des recycelbaren Materials. Und das heißt wiederum, dass vieles aussortiert werden muss. 

Alles, was nicht recycelt werden kann, landet mit dem restlichen Müll entweder in der Müllverbrennungsanlage oder auf der Mülldeponie. Und gilt dann wahrscheinlich statistisch trotzdem als recycelt - so wie bei uns in Deutschland.

Müllverbrennungsanlagen sind in den USA relativ selten: 86 von ihnen stehen vor allem im Nordosten des Landes. Demgegenüber gibt es mehr als 2000 Mülldeponien. Die Größte von ihnen liegt in Nevada, nördlich von Las Vegas, mitten in der Wüste, umgeben von Bergen. 

Mark Clinker an seinem Arbeitsplatz der Mülldeponie in Nevada
© Deutschlandfunk Nova | Kerstin Ruskowski
Mark Clinker, Chef der Mülldeponie in Nevada an seinem Arbeitsplatz

Um die zweieinhalb Millionen Tonnen Müll landen hier pro Jahr. Das sind fast 8000 Tonnen jeden Tag. Und das kann noch einige Zeit so weitergehen. Das verfügbare Gelände der Mülldeponie ist riesig: Es erstreckt sich über 9200 Quadratkilometer – das Saarland passt hier mehr als drei Mal rein. 

"At the ground elevation, we're 700 feet over the aquifer. So we've got 700 feet of limestone between us and the watertable."
Mark Clinker, Chef einer Mülldeponie in Nevada

Was in Nevada für eine gigantische Mülldeponie statt einer Verbrennungsanlage spricht: Das Gelände in der Wüste von Nevada liegt mehr als 200 Meter über dem Grundwasserspiegel mit jeder Menge Kalkstein als Puffer. In anderen Regionen des Landes mit höherem Grundwasserspiegel, wie zum Beispiel Florida, wird Müll dagegen eher verbrannt.  

Verbrennen oder deponieren? 

Befürworter von Mülldeponien bringen vor allem ein Argument an: Auf einer Deponie könne jeder zusehen, wie der Müllberg wächst. Und das sei ein Anreiz, um weniger Müll zu produzieren. Müllverbrennungsanlagen verlagerten das Problem dagegen nur.

Trotzdem sind die meisten Experten, mit denen unsere Reporterin Kerstin  gesprochen hat, der Meinung, dass Müllverbrennungsanlagen die bessere Lösung sind. Weil sie den Müllberg schrumpfen und dann nur noch die übrig gebliebene Asche deponiert werden muss. Und weil die Verbrennung mittlerweile kontrolliert unter strikten Umweltauflagen ablaufe - zumindest in Deutschland und den USA.

Weniger Müll ist die beste Lösung

Wahr ist aber auch: Egal, mit wem Kerstin gesprochen hat - ob Müllverbrennungsgegner, Manager von Mülldeponien, oder Müllverbrenner: Alle sind der Meinung, dass weniger Müll die beste Lösung ist. Und dass dafür jeder was tun kann. 

Und dann gibt es Leute, die nach dem Zero-Waste-Prinzip leben – die weder Mülldeponie noch Müllverbrennungsanlage brauchen. 

Wie das funktioniert – aber auch, warum Leute, die sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigen, manchmal an den Rand der Verzweiflung geraten, erklärt Kerstin Ruskowski in der nächsten Folge.