Papier-Flyer werden zwar immer seltener, sind aber immer noch ein gängiges Werbemittel. Auch umstrittene Organisationen wie Scientology nutzen sie, um neue Mitglieder zu werben. Problem: Die Organisation ist dabei als Absender nicht immer erkennbar.

Flyer mit kostenlosen Persönlichkeitstests oder Informationen zu Anti-Drogen-Kampagnen – was nach gewöhnlichen Angeboten für Studierende aussieht, ist eigentlich ein Anwerbungsversuch der umstrittenen Bewegung Scientology.

So zum Beispiel bei Studierenden in einem Wohnheim in Düsseldorf: Student Johannes erzählt, dass er erst auf den zweiten Blick erkannt habe, dass es sich bei dem Flyer mit dem Slogan "Sag nein zu Drogen und ja zum Leben" um eine Werbekampagne von Scientology handelte.

Scientology: Mitgliederwerbung über Tarn-Organisationen

Dass Scientology nicht mit Klarnamen und Logo auf den Flyern auftritt oder direkt Menschen auf der Straße anspricht, liegt daran, dass die Organisation in der breiten Bevölkerung umstritten ist. Die meisten Menschen würden eine direkte Einladung ablehnen, sagt Sabine Riede, Geschäftsführerin des Beratungsvereins Sekteninfo NRW.

Deshalb versuche Scientology mit immer wieder neu gegründeten Tarn-Organisationen Menschen über andere Themen anzusprechen und für sich dann im direkten Austausch doch zu gewinnen. Häufig klängen diese Organisationen sehr sozial.

"Scientology hat sich in den letzten Jahren sehr bemüht, immer wieder Tarn-Organisationen zu gründen, die dann sehr sozial klingende Namen haben, und über diese Tarn-Organisationen mit Menschen ins Gespräch zu kommen."
Sabine Riede, Sekteninfo NRW

Die Skepsis in der Bevölkerung kommt nicht aus dem Nichts. Auch der Verfassungsschutz beobachtet die sich selbst als religiöse Bewegung bezeichnende Organisation. Beispielsweise wird ihr antidemokratisches Gedankengut vorgeworfen.

"Scientology sieht sich selbst als Führungselite, die als einzige Gruppe den Rest der Menschheit regieren sollte. Dieses Verständnis ist nicht mit dem Demokratieprinzip des Grundgesetzes vereinbar."

Zudem sei laut dem Verfassungsschutz das wirtschaftliche Interesse deutlich größer als das soziale und religiöse. Gelder, die in Deutschland eingenommen werden, flössen direkt in die USA.

Akademische Haushalte als Zielgruppe

Doch wenn es ums Geld geht, warum sucht sich die Organisation dann Studierende aus? Dafür gibt es kurz- und langfristige Gründe, sagt Sabine Riede. Zum einen könne es sich rentieren, angehende Akademikerinnen und Akademiker, die später einmal gut verdienen könnten, so früh wie möglich an sich zu binden.

"Scientologen überlegen, dass man über den Studenten vielleicht auch an die Eltern herantreten kann und die für die eigene Organisation gewinnen kann."
Sabine Riede, Sekteninfo NRW

Zum anderen seien für Scientology auch die Eltern der Studierenden interessant, die oft schon über viel finanzielle Mittel verfügen und in einflussreichen Kreisen unterwegs sind.

Bei Flyern immer Absender checken

Mit Flyern, die im eigenen Briefkasten landen, sollte man grundsätzlich aufmerksam umgehen. Sabine Riede rät, bei Flyern, deren Absender nicht auf den ersten Blick erkennbar ist, nach dem Copyright-Zeichen im Kleingedruckten zu suchen. Im Fall von Scientology würde hier zwar niemals der Name der Organisation selbst zu lesen sein, dafür aber der Name des Gründers L. Ron Hubbard. Was auch immer hilft: Mit Teilen des Flyers, etwa dem Slogan, mal eine Suchmaschine füttern.

Shownotes
Ungekennzeichnete Werbung
Scientology will mit Flyern neue Mitglieder anwerben
vom 14. Juni 2023
Autorin: 
Büsra Tasdemir, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin
Moderator: 
Christoph Sterz