Unruly Passenger - so bezeichnen Fluggesellschaften randalierende Passagiere. Warum es immer wieder zu solchen Fällen kommt und wie die Flugbesatzung mit solchen Passagieren umgeht, erklärt Flugexperte Volker Thomalla.

Alle drei Stunden kommt es laut Europäische Agentur für Flugsicherheit zu Vorfällen mit randalierenden Passagieren in Flugzeugen in der EU.

Unruly Passenger - vier Eskalationsstufen

Zwischen allen Fällen gebe es Parallelen und jedes Mal seien die Vorfälle vorhersehbar, sagt Volker Thomalla, Chefredakteur von aerobuzz, einem Onlinemagazin für Luftverkehr. Vorkommnisse mit randalierenden Passagieren würden Fluggesellschaften in vier verschiedene Eskalationsstufen einteilen:

  • Level 1: Ein Fluggast wird verbal ausfällig.
  • Level 2: Ein Fluggast wird körperlich ausfällig.
  • Level 3: Es besteht eine lebensbedrohende Situation für einen Passagier oder für ein Besatzungsmitglied.
  • Level 4: Ein Passagier versucht, in das Cockpit einzudringen.

In erster Linie seien die Ursachen für solche Vorfälle psychologischer Natur. Angst, das Gefühl im Flugzeug eingesperrt zu sein, vielleicht noch Sitznachbarn, die sich nicht riechen können – das könne zu Aggressionen führen. Verstärkt werden die dann häufig durch den Konsum von Alkohol und der Verweigerung von Nachschub durch das Flugpersonal, sagt Volker Thomalla.

"Es ist in erster Linie ein psychologisches Problem, das dadurch noch verstärkt wird, das häufig Alkohol im Spiel ist."
Volker Thomalla, Flugexperte

Kommt es zu Vorfällen mit randalierenden Passagieren, gibt es klare Handlungsanweisungen für die Kabinenbesatzung. Sie hat sogar Polizeirecht und darf in extremen oder lebensbedrohlichen Situationen Fluggäste auch fixieren, betont Volker Thomalla. Früher habe es dafür sogar Handschellen an Bord gegeben, heute würden Kabelbinder benutzt.

"Im schlimmsten Falle, wenn es zu Level drei oder Level vier kommt, darf die Crew jemanden auch fixieren. Dafür gab es früher Handschellen an Bord. Heute macht man das mit Kabelbindern."
Volker Thomalla, Flugexperte

Wie genau vorgegangen werde, sei allerdings unterschiedlich geregelt. In Europa seien Deeskalationsstrategien Teil der Ausbildung von Besatzungsmitgliedern, sagt Volker Thomalla. In den USA werde seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 etwas rabiater vorgegangen. Dort sei zu beobachten, dass mitreisende Passagiere der Crew auch sofort zu Hilfe eilen, in der Befürchtung eines Terroranschlags. Deswegen sei in den USA die Zahl solcher Vorkommnisse auch dramatisch gesunken. Vor Corona-Zeiten hätten die USA ungefähr nur hundert Fälle pro Jahr gezählt.

Randalieren im Flugzeug kann teuer werden

In extremen Situationen müssen Flüge schon mal umgeleitet werden oder notlanden. Im Regelfall müssen randalierende Passagiere dafür zwar nicht aufkommen, aber seit dem 1. Januar 2020 hat man sich auf internationaler Ebene geeinigt, dass solche Vorfälle dennoch verfolgt werden und justiziabel sind, sagt der Flugexperte. Bis zu 170.000 Euro Strafe seien möglich, solche Urteile habe es bereits gegeben. Die Gerichtsbarkeit habe sich hier auf jeden Fall verschärft.