Menschen können sehr kräftig beißen – ein Erwachsener in etwa so wie ein Wolf. Wer einen Finger abbeißen will, sollte allerdings nicht mit den Schneidezähnen zuschnappen.

Im Kiefer steckt eine erstaunliche Kraft, bei Tieren aber eben auch beim Menschen. Ein Häftling in Italien hat das gerade wieder bewiesen. Er hat einem seiner Wächter einen Finger abgebissen – samt Knochen – und weitere Wärter verletzt.

Florian Beuer leitet die Abteilung für Zahnärztliche Prothetik und Alterszahnmedizin der Charité Berlin. Ihn überrascht der Vorfall im Gefängnis nicht. Die Kaukraft eines erwachsenen Mannes könne mit der Beißkraft eines Wolfes durchaus mithalten.

Kräftige Kiefermuskulatur

Er vermutet, dass der Gefangene mit etwas weiter hinten liegenden Zähnen zugeschnappt hat. Dort ist die Kaukraft deutlich größer als vorne, sagt der Zahnmediziner. Die Zähne halten dort größere Kräfte aus. Grundsätzlich konzentriere sich bei Zähnen eben große Kraft auf kleiner Fläche. Das könne ganz hohen Druck erzeugen.

"Bei den Frontzähnen hätte es dem Mafiaboss passieren können, dass eben nicht der Finger knackt, sondern sein Zahn."

Florian Beuer nimmt an, dass Kiefermuskeln die Muskeln sind, mit denen Menschen den meisten Druck aufbringen können. Der Spitzenwert liegt bei 4300 Newton. Florian Beuer nennt die folgenden ungefähren Durchschnittswerte:

  • im Forderzahngebiet bis 200 Newton
  • im Seitenzahngebiet bis 400 Newton
  • bei den hinteren Zähne bis 800 Newton
"Der Rekord beim menschlichen Gebiss sind 4300 Newton. Das entspricht 430 Kilo, die derjenige mit seinem Gebiss auszuüben in der Lage war."

Unsere Kiefermuskulatur sei eigentlich ein bisschen überproportioniert für die alltägliche Nahrungsaufnahme. Florian Beuer sagt: "Für das, was wir heute essen, würden wir wahrscheinlich diese Kaukräfte nicht benötigen." Für manche künstliche Speisen bräuchten wir sie dann aber doch, die kräftigen Kiefer. Gummibärchen wären so ein Fall, sagt der Zahnmediziner.