Schäden an großen Netzkabeln häufen sich gerade. Die Ausfälle sind noch übersichtlich, doch die überfällige Diskussion um eine Sicherheitsstrategie kommt in Gang.

Glasfaserkabel ermöglichen den Datenverkehr über Landesgrenzen und Kontinente hinweg. Sie sind die größten Strukturen der weltweiten Netzinfrastruktur. Ein Teil davon verläuft unter Wasser: Rund 530 Kabel liegen auf dem Grund der Meere. An zwei Stellen sind diese Glasfaserkabel kürzlich durchtrennt worden – in der Region Marseille und auf den Shetland-Inseln.

Empfindliche Netzinfrastruktur

Bei Marseille sind Kabel an drei Stellen oberirdisch durchtrennt worden. Wirklich vollständig schützen lassen sich diese Kabelnetze nicht. Die Lage der Kabel ist öffentlich bekannt. Einen Überblick bietet beispielsweise submarinecablemap.com.

"Zusammengerechnet haben die Kabel eine Länge von etwa 1,3 Millionen Kilometern. Sie sind gegen Sabotage weitestgehend ungeschützt."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Am 20.10.2022 ist das Unterseekabel SHEFA-2 zwischen dem britischen Banff und den Shetland-Inseln innerhalb von wenigen Tagen zum zweiten Mal beschädigt worden. Die Ursache ist nicht bekannt. Ungewöhnlich ist vor allem der kurze Zeitraum, in dem die Beschädigungen aufgetreten sind.

Russisches Interesse an Seekabeln

Es sei zu früh, um zu sagen, dass diese Vorfälle alle miteinander zusammenhängen. Bislang lasse sich auch Sabotage nicht eindeutig nachweisen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte. Offenbar zeigt die russische Marine allerdings ein auffälliges Interesse an unterseeischen Kabelverbindungen – in Irland beispielsweise. Auch die Nato ist sich dieser potenziellen Gefahr bewusst.

In Deutschland gibt es bislang kein übergreifendes Konzept zum Schutz kritischer Netzinfrastruktur. Aufgrund der dezentralen Struktur des Netzes und eingebauter Redundanzen, ist zwar eine zeitweise Schwächung möglich, ein vollständiges Lahmlegen aber nicht so einfach, sagt Martina Schulte. Netzverbindungen via Satellit sind eine zusätzliche Option, erzeugt dann aber andere Abhängigkeiten.

"Außerdem gibt es mit Starlink, das ist das Satelliteninternet von Elon Musk, auch die Möglichkeit, unabhängig von den Seekabeln Internetempfang zu organisieren."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin
  • Moderator:  Christoph Sterz
  • Gesprächspartnerin:  Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin